KI statt Spielzeug Ehemaliges Playmobil-Werk soll Rechenzentrum werden

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Hochleistungsrechenzentrum statt Spielfiguren für Kinder: Die Playmobil-Mutter Horst-Brandstätter-Group will auf dem Gelände ihres Werks in Dietenhofen einen Rechen-Campus bauen, der auf eine Leistung von 100 Megawatt ausgelegt ist. 

Dietenhofen produzierte bis Sommer Spielfiguren, jetzt entsteht dort ein Rechenzentrum. (Bild:  Horst Brandstätter)
Dietenhofen produzierte bis Sommer Spielfiguren, jetzt entsteht dort ein Rechenzentrum.
(Bild: Horst Brandstätter)

Auf dem rund 18 Hektar großen Industrieareal der Horst Brandstätter Group in Dietenhofen entsteht unter dem Namen “Playmobil digital” ein Rechenzentrums-Campus. Nach der Verlagerung der Playmobil-Produktion (Kasten) beginnt damit ein neues Kapitel für den Industriestandort. Der Campus richtet sich an Unternehmen aus der Region, klassische Rechenzentrumsbetreiber und internationale Hyperscaler.

Playmobil digital ist ein neuer, eigenständiger Zweig der Horst Brandstätter Group und steht künftig gleichrangig neben Playmobil, Lechuza und den Playmobil-FunParks. Bau und Betrieb des Campus verantwortet ein Team mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in den Bereichen Rechenzentren und IT.

House of WIN

Fast jeder kennt sie aus dem Kinderzimmer: Ritter, Polizisten, Bauarbeiter, Prinzessinnen. Jahrzehntelang standen Playmobil-Figuren für deutsches Spielzeug aus Franken. Damit ist nun Schluss

Das Werk in Mittelfranken wurde zum 30. Juni geschlossen. Die Produktion der weltweit bekannten Figuren soll künftig in Malta und Tschechien gebündelt werden. Der Grund laut Unternehmen: zu hohe Kosten in Deutschland. 

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Der geplante Rechenzentrums-Campus soll insbesondere auf die wachsenden Anforderungen durch Künstliche Intelligenz (KI) und High-Density-Computing ausgerichtet werden. Dafür bietet Dietenhofen entscheidende Voraussetzungen: Auf dem Areal besteht bereits eine 110-kV-Netzanbindung mit zwei Zuführungen aus unterschiedlichen Richtungen. Darauf aufbauend ist ein Strompfad von 100 Megawatt vorgesehen und der Standort ist für Ausbaustufen darüber hinaus ausgelegt. Die dafür erforderlichen Netzkapazitäten wurden dem Unternehmen von der N-ERGIE bereits zugesichert.

Die Nähe zur Metropolregion Nürnberg, die Lage zwischen München und Frankfurt sowie die Anbindung an bestehende Daten-Backbones ergänzen laut Aussage des Unternehmens die Standortvorteile. „Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen. Wir transformieren ein bestehendes Industrieareal, statt neue Flächen auf der grünen Wiese zu erschließen“, sagt Matthias Fauser, Vorstand der Horst Brandstätter Group. Dietenhofen könne damit zu einem bedeutenden Standort für KI, Digitalisierung und digitale Souveränität in Deutschland werden.

Bestehende Infrastruktur wird zur Basis für den Ausbau

Der Campus wird modular und bedarfsgerecht entwickelt. Bestehende Hallen ermöglichen die Realisierung erster Module, während parallel Neubauflächen für weitere Ausbaustufen zur Verfügung stehen. Ein besonderes Merkmal des Campus ist die Kombination aus vier Nutzungsmodellen an einem Standort:

  • Bei Land & Power pachtet ein Betreiber ein erschlossenes Baufeld mit Stromanschluss und errichtet sein Rechenzentrum selbst.
  • Bei Powered Shell und Private Suite stellt Playmobil digital das Gebäude samt Energie, Kühlung und Sicherheit bereit, der Partner bringt seine Rechentechnik ein.
  • Colocation bietet betriebsfertige Rechenzentrumsflächen vom einzelnen Rack bis zum eigenen Raum.
  • Mit Managed Capacity erhalten Kunden schließlich fertige Rechenleistung, ohne eigene Hardware anzuschaffen.

Jeder Partner wählt die passende Leistungstiefe, auf Wunsch kombiniert und jederzeit erweiterbar. Das Gelände soll dauerhaft in der Hand der Unternehmensgruppe bleiben.

Playmobil digital entwickelt und betreibt den Campus selbst, finanziert die gemeinsame Infrastruktur aus Strom, Kühlung und Sicherheit und auf Wunsch auch die Gebäude. Die Partner investieren in ihre Rechentechnik. Eigentümer und Betreiber des Campus ist die deutsche, stiftungsgeführte Unternehmensgruppe rund um Playmobil. 

Grünstrom, Effizienz und Abwärmenutzung

Playmobil digital setzt beim Betrieb des Campus auf Strom aus erneuerbaren Energien, ergänzt um eigene Photovoltaik auf Dach- und geeigneten Freiflächen sowie perspektivisch weitere Formen der Energieerzeugung und -speicherung. Auch die entstehende Abwärme soll möglichst zum regionalen Mehrwert werden und künftig für Unternehmen oder kommunale Wärmenetze nutzbar gemacht werden. Damit berücksichtigt das Konzept zentrale Anforderungen, die das deutsche Energieeffizienzgesetz an neue Rechenzentren stellt.

Die Horst Brandstätter Group wird in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Aufbau des Campus investieren. Bereits heute wurden erhebliche Investitionen in die Planung, Infrastruktur und Entwicklung des Standorts getätigt.

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„Playmobil digital gehört damit zu den größten Zukunftsprojekten in der Geschichte unserer Unternehmensgruppe. Mit dem Aufbau des Campus setzt die Stiftung ein klares Bekenntnis zu Dietenhofen und Bayern als Innovationsstandort. Davon profitieren Unternehmen, die Gemeinde und vor allem die Menschen in Dietenhofen und der Region“, sagt René Feser, Vorstand der Horst Brandstätter Group.