Energiepark Bad Lauchstädt Modellprojekt für grünen Wasserstoff

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Bad Lauchstädt liegt nicht gerade im Zentrum der Weltwirtschaft – doch genau hier, im Saalekreis südwestlich von Halle, wird derzeit an der Energiewelt von morgen gebaut. Auf einer Fläche von rund 12 ha entsteht mit dem Energiepark Bad Lauchstädt – umgesetzt durch ein Konsortium aus Terrawatt Planungsgesellschaft, Uniper, VNG Handel & Vertrieb, VNG Gasspeicher, Ontras, DBI – Gastechnologisches Institut und VNG – eines der ersten Projekte, das die industrielle Wertschöpfungskette von Wasserstoff integriert erprobt.

Die Prozesskette des grünen Wasserstoffs erstreckt sich im Energiepark Bad Lauchstädt von der Erzeugung mit Windstrom über den Transport und die Vermarktung bis hin zur Nutzung in der Industrie. (Bild:  Tom Schulze)
Die Prozesskette des grünen Wasserstoffs erstreckt sich im Energiepark Bad Lauchstädt von der Erzeugung mit Windstrom über den Transport und die Vermarktung bis hin zur Nutzung in der Industrie.
(Bild: Tom Schulze)

Als Reallabor der Energiewende zeigt der Energiepark, wie eine grüne Wasserstoffwirtschaft auf industriellem Niveau Realität wird. Zugleich soll er Antworten auf zentrale Fragen liefern rund um effiziente Produktion, Speicherung, Transport und Integration in industrielle Prozesse. Im Gegensatz zu vielen Pilotprojekten, die für einen kleinen Maßstab ausgelegt sind, geht der Energiepark Bad Lauchstädt einen entscheidenden Schritt weiter: Hier wird die komplette Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff erstmals auf industriellem Niveau erprobt – von der Windstromerzeugung über Elektrolyse, Transport über umgewidmete Erdgasleitungen bis hin zur Nutzung in der Industrie.

Großelektrolyse als Herzstück der Produktion von Wasserstoff

Kern des Energieparks ist eine 30-MW-Elektrolyseanlage des Dresdner Unternehmens Sunfire, für deren Realisierung Uniper und VNG Handel & Vertrieb verantwortlich sind. Uniper bringt dabei die Erfahrung aus der Entwicklung und dem Betrieb von Wasserstoff- und Power-to-gas-Anlagen ein und verantwortet wesentliche Teile der technischen Umsetzung. Die Elektrolyse bildet die zentrale Schnittstelle zwischen erneuerbarer Stromerzeugung und industrieller Wasserstoffnutzung. Erst durch die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff wird es möglich, erneuerbare Energie für industrielle Anwendungen verfügbar zu machen und über bestehende Infrastruktur zum Abnehmer zu transportieren.

Im Gesamtsystem des Energieparks bildet die Gasaufbereitungsanlage das Bindeglied zwischen Erzeugung, Transport, Speicherung und Nutzung. Sie wird die Qualität am Übergabepunkt absichern.(Bild:  Energiepark Bad Lauchstädt)
Im Gesamtsystem des Energieparks bildet die Gasaufbereitungsanlage das Bindeglied zwischen Erzeugung, Transport, Speicherung und Nutzung. Sie wird die Qualität am Übergabepunkt absichern.
(Bild: Energiepark Bad Lauchstädt)

Die Anlage in Bad Lauchstädt ist direkt mit dem benachbarten Windpark verbunden, der im Juni 2024 in Betrieb genommen wurde. Die acht Windenergieanlagen liefern jährlich rund 145 Millionen kWh. Über ein neu errichtetes Umspannwerk in unmittelbarer Nähe ist der Windpark direkt mit dem Elektrolyseur verbunden. Der dort erzeugte Strom dient zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff – vollständig emissionsfrei, klimaneutral und nach Abschluss des Initialaudits auf dem Weg zur RFNBO-Zertifizierung.

Die Elektrolyseanlage wurde auf einer Fläche von 80 x 130 m errichtet. Sie wird jährlich rund 2.400 bis 3.000 t beziehungsweise etwa 26,9 Millionen Nm³ Wasserstoff produzieren. Zum Jahreswechsel 2025/2026 wurden die Elektrolysestacks für das dritte und letzte Modul geliefert und montiert; derzeit läuft die Inbetriebnahme.

Geeichte Erfassung der Wasserstoffmengen

Im Ansatz des Energieparks, alle Wertschöpfungsstufen abzubilden, spielt auch die Speicherung von Wasserstoff eine wichtige Rolle. VNG Gasspeicher erprobt im Konsortium den Umgang mit Wasserstoff und errichtet eine Messschiene zur geeichten Mengenmessung des produzierten Wasserstoffs. Sie erfasst präzise, welche Mengen bei der Elektrolyse tatsächlich produziert und in die weiteren Wertschöpfungsstufen eingespeist werden. Damit schafft sie die Basis für eine rechtssichere, abrechnungsfähige Messung des erzeugten Wasserstoffs. Gleichzeitig erbringen die Arbeiten Grundlagen für eine mögliche spätere Projektphase. Nach erfolgreichen Tests und unter wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen könnte Wasserstoff künftig in einer dafür vorgesehenen Salzkaverne saisonal gespeichert und bei Bedarf flexibel wieder ausgespeist werden.

Transport und Nutzung: vom Windpark zur Raffinerie

Ein zentraler technologischer Baustein des Energieparks ist die Anbindung an das deutschlandweite Wasserstoffkernnetz. Dafür hat der Fernleitungsnetzbetreiber Ontras Gastransport eine rund 25 km lange Bestandsleitung aus den 1970er-Jahren umfassend für die Umstellung vom Erdgas- auf den Wasserstoffbetrieb geprüft und im April 2025 in Betrieb genommen.

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Über die Pipeline kann der im Energiepark erzeugte Wasserstoff direkt zur Totalenergies Raffinerie in Leuna transportiert werden, einem der größten Chemie- und Raffineriestandorte Mitteldeutschlands. Damit wird im Energiepark exemplarisch sichtbar, welches Potenzial in der Umnutzung vorhandener Infrastruktur liegt – und welche technischen, regulatorischen und betrieblichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um dieses Potenzial zu erschließen. Gleichzeitig gehört der Abschnitt zum Wasserstoffkernnetz und ist damit wichtiger Bestandteil der deutschlandweiten H2-Infrastruktur.

Wasserstoff hoher Qualität durch Gasreinigung

Als Reallabor der Energiewende wird der Park zudem wissenschaftlich von dem Forschungsinstitut DBI – Gastechnologisches Institut Freiberg begleitet. Dies soll den Wissenstransfer schaffen, der den Hochlauf des Wasserstoffmarktes unterstützt. Das DBI betreibt im Energiepark Bad Lauchstädt eine Forschungsanlage zur H₂-Gasaufbereitung. Untersucht wird, inwieweit Verunreinigungen, die aus Speicher- und Transportumgebungen in den Wasserstoff übergehen, zuverlässig entfernt und bis in den Spurenbereich analytisch nachgewiesen und quantifiziert werden können. Damit wird die Grundlage für die dauerhaft hohe Wasserstoffqualität und die sichere industrielle Nutzung von grünem Wasserstoff geschaffen.

Vermarktung, Finanzierung und politische Realität

Der Energiepark wird im Rahmen des Programms "Reallabore der Energiewende" gefördert, das vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ins Leben gerufen wurde. Bei einer Gesamtinvestitionssumme von 210 Millionen € erhält das Konsortium in diesem Rahmen 44 Millionen € Fördermittel. Damit will der Staat gezielt Technologien und Geschäftsmodelle fördern, die den Weg in eine klimaneutrale Zukunft ebnen sollen.

Einblick in die Elektrolysehalle bei der Anlieferung der Elektrolysestacks. (Bild:  VNG)
Einblick in die Elektrolysehalle bei der Anlieferung der Elektrolysestacks.
(Bild: VNG)

Neben der Umsetzung rückt auch die Frage in den Fokus, wie grüner Wasserstoff künftig wirtschaftlich in den Markt gebracht werden kann. Denn technische Machbarkeit und Infrastruktur allein reichen nicht aus, damit der Energieträger langfristig bestehen kann. Entscheidend sind belastbare regulatorische Rahmenbedingungen und marktfähige Handelsprodukte. Bislang ist die Vermarktung von grünem Wasserstoff jedoch kaum erprobt. VNG Handel & Vertrieb arbeitet daher im Projektkontext gezielt an der Entwicklung eines Geschäftsmodells, das Preisbildung, Herkunftsnachweise, Lieferprofile und regulatorische Anforderungen zusammenführt. Produktionskosten, Speicheraufwand und Transport müssen sich in einem wettbewerbsfähigen Gesamtpreis abbilden lassen. Zugleich müssen Vertragsmodelle regulatorische Vorgaben berücksichtigen und Risiken zwischen Erzeugern, Infrastrukturbetreibern und industriellen Abnehmern tragfähig verteilen.

Skalierbarkeit und europäische Relevanz

Der Energiepark Bad Lauchstädt zeigt als Vorreiter, worauf es beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ankommt: auf das Zusammenspiel von technischer Umsetzung, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und verlässlichen Rahmenbedingungen. Das Projekt ist damit mehr als ein einzelnes Reallabor. Es kann zur Blaupause dafür werden, wie sich grüne Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab aufbauen und perspektivisch skalieren lässt – in Deutschland ebenso wie in Europa.