Klimafreundlicher Hopfengenuss Bierbrauen mit Solarenergie und Wärmepumpe

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Forschende arbeiten an einem Energiesystem, das den Brauprozess klimafreundlicher machen soll. Das Projekt verbindet Wärmepumpentechnologie mit Solarenergie und könnte künftig auch in vielen weiteren Industriezweigen zum Einsatz kommen.

Maßkrug mit Bier (Symbolbild)(Bild:  Alexas_Fotos /  Pixabay)
Maßkrug mit Bier (Symbolbild)
(Bild: Alexas_Fotos / Pixabay)

Sonniges Wetter und beste Zahlen zum Abschluss: Das Münchner Oktoberfest ist gestern mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen. Rund 7,4 Millionen Menschen kamen zur diesjährigen Wiesn. Mehr Gäste bedeutete auch mehr Bierkonsum: Insgesamt wurden in diesem Jahr rund 6,7 Millionen Maß Bier getrunken – nach 6,5 Millionen Maß im Vorjahr.

Was trotz stolzer Preise von bis zu 15,90 Euro pro Maß in den Hintergrund rückt: Wie viele andere Unternehmen sehen sich aktuell auch Bierbrauereien mit großen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen unter anderem die Kosten für Rohstoffe, Logistik und insbesondere Energie. 

Hochschule Hannover erforscht klimafreundliches Bierbrauen

Geht das auch klimafreundlicher? Dieser Frage widmet sich das Forschungsprojekt „RenewBrew“, das Anfang des Jahres am Forschungszentrum Energie – Mobilität – Prozesse der Hochschule Hannover (HsH) gestartet ist. Ziel ist es, ein nachhaltiges Energiesystem zu entwickeln, das den für den Brauprozess benötigten Wasserdampf künftig weitgehend ohne fossile Energieträger erzeugt.

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung eines Systems aus Hochtemperaturwärmepumpen, Wärmespeichern, Photovoltaik und konzentrierender Solarthermie, bei der die Sonnenstrahlen mithilfe spezieller Spiegel gebündelt werden, um hohe Temperaturen zu erzeugen. Gemeinsam ermöglichen die Technologien die Bereitstellung von Wasserdampf mit Temperaturen deutlich über 100 Grad Celsius – ein zentraler Bestandteil des Brauprozesses.

Nahezu autarke und treibhausgasfreie Wärmeversorgung

Aktuell entsteht an der Hochschule Hannover eine wissenschaftliche Testanlage. Auf dieser Grundlage wird anschließend ein Demonstrator für das Norderneyer Brauhaus entwickelt und dort installiert. Die entwickelte Technologie könnte künftig nicht nur in Brauereien, sondern auch in zahlreichen anderen Industriebereichen eingesetzt werden. 

Für viele Produktionsprozesse werden hohe Temperaturen und Wasserdampf benötigt. Bislang stammt die dafür notwendige Prozesswärme häufig aus Erdgas. Durch die Nutzung von Solartherme zur Wärmeerzeugung und Photovoltaik zur Stromversorgung der Hochtemperaturwärmepumpen eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit einer nahezu vollständig autarken und treibhausgasfreien Wärmeversorgung.

Ziel sei es zudem, mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit durch die Entwicklung eines modulierenden Gesamtsystems zur Bereitstellung industrieller Prozesswärme einen möglichst hohen Grad an Dekarbonisierung und Klimaneutralität des Bierbrauens zu erreichen. Im Idealfall wird die Klimaneutralität der Energieversorgung erreicht und das Energieversorgungssystem kann als Vorlage für die Brauindustrie genutzt werden.

Forschungsprojekt läuft bis Ende 2028

Das Forschungsprojekt läuft vom 01.01.2026 bis zum 31.12.2028 und wird mit insgesamt 1.088.153,29 Euro gefördert. Fördermittelgeber sind das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) im Rahmen des Programms „Forschung an HAW“.

„Die Kopplung von Solarthermie und Hochtemperaturwärmepumpe eröffnet neue Synergien und ermöglicht signifikante Effizienzsteigerungen. Wir freuen uns, dieses Potenzial nun für einen konkreten Anwendungsfall zu untersuchen und zu realisieren. Gerade für die Dekarbonisierung der Prozesswärmeerzeugung in kleinen Leistungsbereichen fehlen bislang praktikable Lösungen. Mit diesem Projekt möchten wir einen nachhaltigen Beitrag zur industriellen Wärmewende leisten“, so Projektleiter Prof. Dr. Lutz Meyer aus der Fakultät II der Hochschule Hannover.

Neben dem Norderneyer Brauhaus und seinem Geschäftsführer Tobias Pape ist die Firma Jaske & Wolf Verfahrenstechnik unter der Leitung von Wolfgang Jaske als weiterer externer Projektpartner an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Als hochschulinterne Partnerin ist aus der Fakultät IV der HsH (Wirtschaftswissenschaften) Prof. Dr. Nadja Kiehne im Projekt aktiv und leitet die ökonomischen Betrachtungen. (me)

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