Erfolgreicher erster Test Skilift unter Wasser: So wird aus einer Seilbahn ein Gezeitenkraftwerk

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

Ein Team der Hochschule München entwickelt ein neuartiges Gezeitenkraftwerk. Das Besondere daran: Es kommt Seilbahn-Technik zum Einsatz.

(Bild:  Hochschule München)
(Bild: Hochschule München)

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Skilift, der über einem Fluss installiert wurde – es handelt sich jedoch um ein neuartiges Gezeitenkraftwerk eines Teams der Fakultät für Wirtschaftsingenieurswesen der Hochschule München und Forschern der Technischen Universität München. Vor Kurzem wurde der hundert Kilo schwere und 18 Meter lange Prototyp für einen ersten Testlauf – fernab vom Meer – in der Nähe von Landshut in Bayern beim Stauwehr Hofham in den Mittlere-Isar-Kanal abgelassen.

Die Ähnlichkeiten mit einem Skilift sind dabei kein Zufall: Die Idee für das Projekt stammt von den Brüdern Anton und Peter Glasl aus Wackersberg, den Inhabern des Schleppliftbauers Enrope.

Und so funktioniert das Skilift-Gezeitenkraftwerk: An den Enden eines Gestells befinden sich Umlenk-Rollen, über die ein Endlos-Seil läuft. An diesem wiederum sind, ähnlich wie Bügel am Schlepplift, kleine Strömungsprofile befestigt, die sogenannten Kites. Sie sind der Motor des neuen Seilbahn-Kraftwerks.

 „Anders als beim Skilift, bei dem die Umlenkrollen angetrieben werden, um das Seil zu bewegen, wollten wir die Bewegung des Seils nutzen, um an den Umlenkrollen mit Hilfe von Generatoren Strom zu gewinnen“, erklärt Prof. Robert Meier-Staude, Spezialist für Strömungsmechanik an der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule München. Zu diesem Zweck habe man die Kites entworfen, die am Seil befestigt werden können. Sie sind so geformt, dass sie stabil im Wasser liegen, die Strömung effizient in Vortrieb umsetzen und günstig in der Fertigung sind.

Skilift-Gezeitenkraftwerk: Praxistest in der Isar

Der Isar-Kanal nahe dem niederbayerischen Landshut bietet ideale Bedingungen für Test. Die Strömungsgeschwindigkeit im Kanal beträgt konstante 0,6 Meter pro Sekunde – vergleichbar mit den Bedingungen im Meer. Die ersten Auswertungen zeigen, dass sich die Kites, die nur einen Meter lang und 20 Zentimeter breit sind, tatsächlich stabil in der Strömung ausrichten und mit bis zu 1,5 Meter pro Sekunde durchs Wasser fliegen. Der Ingenieur spricht gern von „fliegen“, denn die Bewegung findet zwar unter Wasser statt, doch die Strömungsdynamik ist grundsätzlich nicht anders als die von Luft – nur ist Wasser etwa tausend Mal dichter. Und damit können die Kites um den Faktor 1000 kleiner sein als ein Flügel in der Luft, der die gleiche Energie oder Leistung erzeugt. In einem echten Gezeitenkraftwerk, das fünfmal größer werden soll als der Prototyp, müssten die Kites dann entsprechend vergrößert werden.

„Der Test des Prototyps hat jetzt gezeigt, dass ein Gezeitenkraftwerk mit Seilbahntechnik grundsätzlich realisierbar ist“, resümiert Prof. Dr. Robert Meier-Staude.

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