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Wasserstoffautos – Technik, Vorteile und Zukunft der H2-Mobilität

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Sind Wasserstoffautos wirklich emissionsfrei?

Am Fahrzeug selbst: Ja. Aus dem Auspuff kommt ausschließlich Wasserdampf. Kein CO2, kein NO2, kein Feinstaub – abgesehen von Reifen- und Bremsabrieb.

In der Gesamtbilanz: Es kommt darauf an. Wird der Wasserstoff etwa per Dampfreformierung aus Erdgas gewonnen (grauer Wasserstoff), fallen 10 bis 13 kg CO2 pro kg H2 an. Bei einem Verbrauch von circa 1 kg/100 km wären das rund 100 bis 130 g CO2/km – vergleichbar mit einem modernen Diesel. Nur mit grünem Wasserstoff ist die Bilanz annähernd klimaneutral

Was ist grüner Wasserstoff? Bei der sogenannten Elektrolyse wird Wasser (H2O) mithilfe von Strom in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) gespalten. Wenn dieser Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen, spricht man von grünem Wasserstoff.

Der Wirkungsgrad heutiger kommerzieller Elektrolyseure liegt je nach Technologie zwischen 60 und 80 Prozent. Konkret bedeutet das einen Energieverbrauch von 40 bis 80 kWh pro Kilogramm Wasserstoff.

Für welche Anwendungen sind Wasserstoffautos sinnvoll?

Die ehrliche Einordnung: Im PKW-Segment hat sich das batterieelektrische Fahrzeug als effizientere und wirtschaftlichere Lösung weitgehend durchgesetzt. Wasserstoff entfaltet sein Potenzial vor allem dort, wo Batterien an ihre Grenzen stoßen:

Schwerlastverkehr und Fernverkehrs-LKW: Für LKW über 7,5 Tonnen auf Langstrecken (> 500 km) sind Batterien aufgrund des Gewichts und der Ladezeiten nicht immer die beste Lösung. Bislang spielen Wasserstoff-Lkws zwar noch so gut wie keine Rolle, aber zum Beispiel Daimler Truck arbeitet zusammen mit Toyota an entsprechenden Fahrzeugen.

Busse im öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Wasserstoffbusse sind bereits in zahlreichen Städten im Einsatz und bieten Reichweiten von 350 bis 450 km bei Tankzeiten unter 10 Minuten – ideal für ganztägige Einsätze im Linienbetrieb.

Spezialanwendungen: Auch bei Schiffen (zum Beispiel von Baumüller), , Zügen (zum Beispiel Stadler Flirt H2), Baumaschinen (zum Beispiel Wasserstoff-Radlader von Liebherr im Test bei Strabag) und in der Luftfahrt (Forschungsprojekte) wird Wasserstoff als Energieträger erprobt.

Zukunftsausblick: Wohin steuert die H2-Mobilität?

Chancen:

  • Sinkende Kosten: Mit der Skalierung der Elektrolyse und dem möglichen Ausbau der Tankinfrastruktur werden die Kosten für grünen Wasserstoff und die Betankung perspektivisch sinken.
  • Politischer Rückenwind: Die EU verlangt ab 2030 an allen Hauptverkehrsachsen H₂-Tankstellen im Abstand von maximal 200 km
  • Nutzfahrzeug-Boom: Zahlreiche Hersteller (Daimler Truck, Volvo, Hyundai) entwickeln Brennstoffzellen-LKW für den Serieneinsatz.

Risiken und offene Fragen:

  • Henne-Ei-Problem: Ohne Tankstellen keine Fahrzeugkäufer, ohne Fahrzeuge keine Rentabilität der Tankstellen – ein Teufelskreis.
  • Konkurrenz durch BEV: Batterieelektrische Fahrzeuge werden immer reichweitenstärker und günstiger. Im PKW-Bereich dürfte der Zug für Wasserstoff weitgehend abgefahren sein.
  • Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff: Aktuell stammt ein Großteil des weltweit produzierten Wasserstoffs aus fossilen Quellen (grauer Wasserstoff). Grüner Wasserstoff ist noch knapp und teuer. Es stellt sich die Frage der Priorisierung: Industrie (Stahl, Chemie) und Schwerlastverkehr haben einen deutlich höheren Dekarbonisierungsdruck als der PKW-Bereich, in dem effizientere Alternativen (BEV) bereits verfügbar sind.
  • Geopolitische Importabhängigkeit: Ein Großteil des künftigen grünen Wasserstoffs soll aus sonnen- und windreicheren Regionen importiert werden. Das schafft neue Abhängigkeiten, die sorgfältig gemanagt werden müssen, um nicht die Fehler der fossilen Energieversorgung zu wiederholen.

Fazit: Wasserstoff im Auto – Nische mit strategischer Bedeutung

Wasserstoffautos sind eine technologisch faszinierende, aber im PKW-Segment zunehmend marginalisierte Antriebsform. Die ehrliche Einordnung lautet: Wasserstoff ist kein Konkurrent des Elektroautos, sondern seine Ergänzung. Im PKW-Bereich wird Wasserstoff auf absehbare Zeit eine Nische bleiben. Seine strategische Bedeutung entfaltet er etwa m Schwerlast- und Fernverkehr, in der Industrie und als Langzeitspeicher für erneuerbare Energien.

Wasserstoffautos – Technik – Vorteile – Zukunft – H2-MobilitätKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das DIGITAL BUSINESS MAGAZIN sowie Redakteur für r.energy. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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