Eavor Loop Geothermie: EU fördert innovativen „Tiefen-Heizkörper“ in Oberbayern

Von Winfried Rauscheder 3 min Lesedauer

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Der Bau des derzeit innovativsten Nutzungsansatzes in der „Tiefen Geothermie“ in Deutschland kommt gut voran: In einem Wald südlich von München entsteht der erste kommerzielle „Eavor Loop“ in Europa – finanziell kräftig gefördert vom EU-Innovationsfonds und kredit-finanziert von einem Konsortium um die Europäische Investitionsbank EIB. 

Eavor-Baustelle in Geretsried, Oberbayern(Bild:  Eavor)
Eavor-Baustelle in Geretsried, Oberbayern
(Bild: Eavor)

Unter den derzeit eingesetzten Technologien zur Nutzung der Erdwärme in mehreren tausend Metern Tiefe ist der „Closed Loop“ des kanadischen Technologieunternehmens Eavor ein echter Exot. Der Loop funktioniert wie ein riesiger unterirdischer Heizkörper: Es werden nicht eine, sondern zwei Bohrungen in rund 4500 Meter Tiefe getrieben – und dort horizontal abgelenkt. So entstehen in der Tiefe parallele Abzweigungen, jede etwa 3 000 bis 3 500 Meter lang.

Für das gesamte Loop-System werden also etwa 90 Kilometer (für die vier Loops insgesamt 320 bis 360 Kilometer) gebohrt. In den unterirdischen „Radiator“ wird dann von oben Wasser eingeleitet. Das Grundprinzip ist das eines riesigen "Thermo-Siphons": Das Wasser wird im unteren Teil des Systems durch das Tiefengestein aufgeheizt und steigt dann auf natürliche Weise wieder an die Oberfläche auf. Hier kann es direkt für Fernwärmenetze oder zur Stromerzeugung genutzt werden kann.

Weniger Emissionen als bei herkömmlicher Tiefen-Geothermie

Das Hersteller-Unternehmen testet seine Loop-Technologie seit fünf Jahren in einer Pilotanlage in der Provinz Alberta. Nach Firmenangaben  ist das System deutlich emissionsärmer als konventionelle Geothermie-Anlagen, weil keine neuen, „ortsfremden“ Flüssigkeiten eingeleitet werden müssen. Zudem kommt es ganz ohne Pumpen aus. Allerdings bedarf es einer bestimmten Beschaffenheit imTiefengestein, um die Wärme zu leiten.

Für das Projekt in der Voralpen-Gemeinde Geretsried plant das Unternehmen mit Gesamtinvestitionen in Höhe von bis zu 350 Millionen Euro. Mit dem Eavor-Loop sollen die Haushalte und Unternehmen in der Gemeinde mit Wärme versorgt werden. Zusätzlich wird ein Kraftwerk vor Ort die geothermische Wärme in Strom umwandeln. Eavor hat mit dem lokalen Wärmeversorger einen Abnahmevertrag unterzeichnet und plant, die Wärmelieferung 2026 aufzunehmen und schrittweise hochzufahren.

Umfangreiche Finanzierungszusagen aus EU und internationaler Bankenwelt

Die Innovations-Behörden in der EU haben die Kanadier und ihre kommunalen Partner in Bayern mit ihrem Projekt schon so weit überzeugt, dass sie mit einer kräftigen Finanzspritze aus Brüssel rechnen können. Abgesichert durch das Förderprogramm InvestEU, vergibt der EU-Innovationsfond einen Zuschuss von mehr als 90 Millionen Euro. Seit Mai 2024 liegt nun auch die Zusage der Europäischen Investitionsbank (EIB) für einen Kredit von 45 Millionen für das Loop-Projekt vor. Weitere Geldgeber sind die niederländische Bank ING N.V., die Japan Bank for International Cooperation (JBIC) und die Mizuho Bank, Ltd.

In der Fachwelt wird das Eavor-Pilotprojekt in Geretsried mit großem Interesse beobachtet – ist aber nicht unumstritten. „Die Kosten pro Megawatt werden zehnmal so hoch sein wie bei einer klassischen Anlage“, fürchtet laut „Süddeutscher Zeitung“ der Experte Horst Rüter. Der ehemalige Präsident der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, heute Leiter eines geowissenschaftliches Beratungsunternehmens, warnt in einem Brief an mehrere Städte, die sich ebenfalls für die Eavor-Technik interessieren: „Tatsache ist, dass es bisher weltweit keine einzige erfolgreich produzierende Anlage nach diesem Prinzip gibt.“

Hannover und Ulm planen Geothermie-Projekte mit der Loop-Technologie

Diese aber lassen sich von solchen Bedenken offenbar nicht schrecken. Schon jetzt hat das kanadische Bergbauunternehmen mit zwei weiteren deutschen Städten und deren Energieversorgern Vereinbarungen erzielt, die auf die „“Closed Loop“-Technologie setzen: Die niedersächsische Hauptstadt Hannover will in einigen Jahren bis zu 20 Prozent des Fernwärmebedarfs im Stadtbereich mit Hilfe der fortschrittlichen Eavor-Technologie decken. Die Stadtwerke Ulm (SWU) haben sich im März 2024 zu einer langfristigen Kooperation mit dem Hersteller entschieden.  

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