Erdwärme in Unternehmen Neue acatech-Studie zum Geothermie-Potenzial in Deutschland

Von Winfried Rauscheder 2 min Lesedauer

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Mit der gesetzlichen Pflicht zur kommunalen Wärmeplanung seit Januar 2024 gewinnt ein Technologiebereich an Bedeutung, der gerade in Industrie und Gewerbe bislang nicht besonders ernst genommen wurde: die Geothermie oder „Erdwärme“. Eine aktuelle Studie der Akademie für Technikwissenschaften (acatech) zeigt: Auch Unternehmensplaner tun gut daran, sich künftig intensiver mit dieser Möglichkeit der Wärmegewinnung zu beschäftigen.

Das Geothermie-Heizkraftwerk Freiham liefert seit 2016 CO2-freie Fernwärme für den Westen Münchens(Bild:  SWM - Marcus Schlaf)
Das Geothermie-Heizkraftwerk Freiham liefert seit 2016 CO2-freie Fernwärme für den Westen Münchens
(Bild: SWM - Marcus Schlaf)

Erst vor zwei Wochen hat die acatech mit der Studie „Geothermische Technologien in Ballungsräumen“ die jüngste Übersicht zu den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten geothermischer Einrichtungen in Deutschland zur Verfügung gestellt. Exakt aufgelistet sind dort die verschiedenen Nutzungsvarianten der Geothermie mit ihren Vor- und Nachteilen sowie die erforderlichen Schlüsseltechnologien – wie geophysikalische Vorerkundungen, umgebungs-sensible Bohrtechniken, hochtemperatur-taugliche Wärmepumpen und unterschiedliche Arten von Wärmeverteilnetzen.

Geothermie-Nutzung in vielen Regionen möglich

Am Beispiel verschiedener Stadtregionen zeigt die neue Studie die Gegenden in Deutschland auf, in denen die Nutzung der mittleren und tiefen Geothermie besonders sinnvoll erscheint. Denn es sind interessanterweise die großen städtischen Ballungsräume, wo die Nutzung der mittleren und tiefen Geothermie am meisten Nutzen verspricht - sowohl den Kommunen als auch industriellen und gewerblichen Verbrauchern. Detailliert dargestellt werden etwa die Rhein-Ruhr-Region, das Norddeutsche Becken, der Oberrhein-Graben und der Großraum München/Oberbayern.

Deutlich wird dabei: Für die kommunale Wärmeplanung, die alle Städte und Gemeinden in Deutschland in den kommenden Jahren erstellen müssen, ist die Geothermie eine absolut essenzielle Technologie, ohne die es vielerorts nicht gehen wird. Seit Januar 2024 gilt das Bundesgesetz zur flächendeckenden Wärmeplanung und Dekarbonisierung. Es verpflichtet alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, bis zum 30. Juni 2026 einen verbindlichen Plan für eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Kommunen unter 100.000 Einwohnern haben dafür noch zwei Jahre länger Zeit – bis Ende Juni 2028. 

Für die Verantwortlichen, die sich in Unternehmen mit der Umstellung der Energie- und Wärmeverbrauchs-Prozesse auseinandersetzen müssen, heißt das: Es wird für sie immer dringlicher, sich mit den Grundlagen, aktuellen Gegebenheiten und künftigen Optionen der geothermischen Energie vertraut zu machen. Denn auch wirtschaftlich gesehen haben sich in den vergangenen Jahren wichtige Voraussetzungen verschoben: Brüchige Öl- und Gas-Lieferketten, die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung und nicht zuletzt die gestiegenen Energie- und CO2-Preise haben die Spielregeln auch für die Nutzung der „Erdwärme-Technologie“ grundlegend geändert.

Geothermische Nutzungsoptionen in städtischen Räumen(Bild:  acatech)
Geothermische Nutzungsoptionen in städtischen Räumen
(Bild: acatech)

Der Einsatz geothermischer Techniken ist aus all diesen Gründen „betriebswirtschaftlich vernünftiger“ geworden, als er je war – und dieser Trend wird anhalten. Aber noch, so stellt auch die Studie fest, stellen hohe Investitionskosten und erhebliche „Fündigkeits-Risiken“ ein wesentliches Hemmnis für die Umsetzung von Geothermie-Projekten dar.

Dennoch bleibt der Satz richtig, den Professor Rolf Bracke, der Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) schon Anfang Februar 2022, also vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, sowohl der Politik als auch Unternehmen in Deutschland ins Stammbuch geschrieben hatte: „Der Schlüssel zur Energiewende ist die Wärmewende! Wollen wir klima­neutral werden, müssen wir künftig vor allem die Wärme aus erneuerbaren Quellen erzeugen.“

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