Die Energiewende verändert nicht nur die Erzeugungslandschaft, sondern auch die Rolle klassischer Energieversorger. Stadtwerke, regionale Versorger und Netzbetreiber stehen zunehmend vor der Aufgabe, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz verbinden. Lokale Windenergie – insbesondere in Form von Direktbelieferungs- und Eigenstrommodellen – rückt dabei verstärkt in den Fokus. Doch wie ist der aktuelle Stand in Deutschland? Und welche Chancen ergeben sich speziell für Versorger?
Stadtwerke, regionale Versorger und Netzbetreiber stehen zunehmend vor der Aufgabe, neue Geschäftsmodelle für die Stromvermarktung zu entwickeln, welche Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz verbinden.
(Bild: Copa Data)
Die physische Direktbelieferung von Unternehmen mit lokal erzeugtem Windstrom (On-Site-PPA) ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankert. Dabei wird Strom über eine Direktleitung außerhalb des öffentlichen Netzes vom Windpark zum Abnehmer geliefert. Für Versorger eröffnen sich hier neue Rollen: als Projektentwickler und Betreiber lokaler Windparks, als Vertragspartner und Stromlieferant im Rahmen von On-Site-PPA-Modellen sowie als Dienstleister für Planung, Betrieb, Abrechnung und Monitoring. Der große Vorteil dieser Modelle liegt in der Umgehung von Netzentgelten sowie bestimmten Abgaben und Umlagen, was sie für energieintensive Unternehmen wirtschaftlich attraktiv macht. Gleichzeitig ermöglichen sie Versorgern, Kunden langfristig zu binden und regionale Wertschöpfung zu stärken.
Dass das Interesse wächst, bestätigt auch der Bundesverband Windenergie. In der Praxis bremsen komplexe Genehmigungs- und Regulierungsanforderungen entsprechende Projekte. Doch das 2024 realisierte Beispiel zur Direktbelieferung von Thyssenkrupp Hohenlimburg zeigt: Solche Modelle sind durchaus umsetzbar und können als Blaupause für weitere Vorhaben dienen. Die politische Zielsetzung der Bundesregierung, physische Direktversorgungsmodelle auszuweiten, deutet darauf hin, dass Versorger sich frühzeitig strategisch positionieren sollten.
Neue Perspektiven für Stadtwerke und regionale Versorger
Auch die Eigenstromversorgung von Unternehmen durch eigene Windenergieanlagen gewinnt an Bedeutung. Zwar sind Planung, Bau und Betrieb von Windkraftanlagen komplexer als bei der Photovoltaik, doch steigende Strompreise und der Wegfall der EEG-Umlage haben die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert. Für Versorger ergeben sich hier insbesondere zwei Ansatzpunkte: Betrieb von Windanlagen im Kundenauftrag sowie kooperative Modelle, bei denen Versorger, Kommunen und Unternehmen gemeinsam investieren.
Die Wirtschaftlichkeit hängt maßgeblich von Standort, Anlagengröße sowie Investitions- und Betriebskosten ab. Besonders attraktiv ist eine hohe Eigenstromnutzung. Überschüssiger Strom kann entweder über die EEG-Förderung eingespeist oder bei größeren Anlagen über Direktvermarkter vermarktet werden. Bis 100 kW installierter Leistung ist eine einfache Netzeinspeisung möglich, darüber hinaus sind Direktvermarktungslösungen erforderlich – ein weiteres Feld, in dem Versorger ihre Kompetenz einbringen können.
Flexible Nutzungskonzepte
Wenn Windstrom nicht vollständig im eigenen Betrieb genutzt wird, entstehen für Versorger zusätzliche wirtschaftliche Gestaltungsspielräume. Batteriespeicher ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch zeitlich zu entkoppeln, Lastspitzen zu glätten und Strom gezielt zu Zeiten hoher Marktpreise einzuspeisen. Darüber hinaus kann überschüssige Energie über Direktleitungen an benachbarte Unternehmen weitergegeben werden, etwa innerhalb von Gewerbe- oder Industriegebieten. In Kombination mit weiteren Sektoren wie Wärmeversorgung oder E-Mobilität lassen sich integrierte, sektorübergreifende Energiekonzepte realisieren. Solche Ansätze stärken lokale Energiekreisläufe, erhöhen die regionale Wertschöpfung und positionieren Versorger als zentrale Gestalter regionaler Energieökosysteme.
Digitalisierung als Schlüssel zum effizienten Betrieb
Windenergieanlagen sind auf eine Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren ausgelegt. Damit sie über diesen gesamten Zeitraum wirtschaftlich und zuverlässig arbeiten, sind eine kontinuierliche Überwachung, präzise Steuerung und vorausschauende Wartung unerlässlich. Der Digitalisierung kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Moderne Automatisierungs- und Leitsysteme ermöglichen ein durchgängiges Monitoring der Anlagenzustände, unterstützen die frühzeitige Erkennung technischer Abweichungen und schaffen die Voraussetzung für flexible Erweiterungen – etwa durch die Integration von Batteriespeichern oder neuen Vermarktungsmodellen.
Softwareplattformen für die Automatisierung und Prozesssteuerung versetzen Versorger in die Lage, Windenergieanlagen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg effizient zu betreiben und kontinuierlich an regulatorische sowie wirtschaftliche Anforderungen anzupassen.
(Bild: Copa Data)
Offene und erweiterbare Softwareplattformen für die Automatisierung und Prozesssteuerung wie "zenon" von Copa-Data versetzen Versorger in die Lage, Windenergieanlagen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg effizient zu betreiben und kontinuierlich an regulatorische sowie wirtschaftliche Anforderungen anzupassen. Von der Stromerzeugung über die Verteilung bis hin zur Anbindung externer Marktpartner lassen sich damit unterschiedliche Use Cases konsistent abbilden.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Lokale Windenergie als strategisches Handlungsfeld
Direktbelieferung und Eigenstromkonzepte auf Basis lokaler Windenergie sind längst keine Nischenanwendungen mehr. Für Stadtwerke und Energieversorger bieten sie die Chance, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Kundenbeziehungen zu vertiefen und aktiv zur regionalen Energiewende beizutragen. Was Versorger jetzt tun sollten:
1. Direktbelieferung strategisch bewerten: On-Site-PPA-Modelle mit lokalem Windstrom als zukünftiges Geschäftsfeld prüfen – insbesondere für Industrie- und Gewerbekunden mit hohem Strombedarf. 2. Neue Rollen aktiv besetzen: Vom klassischen Lieferanten zum Projektentwickler, Betreiber und Energiedienstleister werden – mit Fokus auf langfristige Kundenbindung. 3. Regionale Potenziale identifizieren: Geeignete Standorte, kommunale Flächen und industrielle Ankerkunden frühzeitig analysieren und zusammenbringen. 4. Überschussstrom wirtschaftlich denken: Direktvermarktung, Speicher und Quartierslösungen als integrierte Erlösbausteine mitplanen, nicht als nachgelagerte Option. 5. Digitalisierungsarchitektur überprüfen: Sicherstellen, dass Steuerungs- und Leitsysteme flexibel, technologieoffen und lebenszyklusfähig sind. 6. Regulatorische Entwicklungen vorbereiten: Interne Prozesse und Know-how so aufstellen, dass neue Vereinfachungen bei Direktversorgung schnell genutzt werden können.