Verpflichtung zur Nachhaltigkeit Gebäudeenergiegesetz: Von der Versorgung bis zum Verbrauch

Ein Gastbeitrag von Axel Schlarb und Andreas Schmuderer 4 min Lesedauer

Das Gebäudeenergiegesetz verpflichtet Immobilienbesitzer zur Nachhaltigkeit. Dabei geht es jetzt auch verstärkt um Optimierungen auf der Verbrauchsseite.

(Bild:  Slavomir Valigursky / Adobe Stock)
(Bild: Slavomir Valigursky / Adobe Stock)

Der Weg zur Klimaneutralität führt über den Gebäudesektor. Mit rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der Treibhausgasemissionen ist er in der EU ein zentraler Hebel zur Erreichung der Klimaziele. Die Weichen für klimaneutrale Gebäude stellt nun die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Es ist die lange erwartete nationale Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie EPBD (Energy Performance Buildings Directive) von 2018. Die neuen Regelungen im Gebäudeenergiegesetz gelten auch für bestehende Nichtwohngebäude und müssen teilweise bereits bis zum 31. Dezember 2024 erfüllt werden.

Nachhaltigkeit wird im Gebäudesektor somit von einem Nice-to-have zur Pflicht. Als erstes müssen Akteure dabei beachten, dass sich die Anforderungen des GEG bei weitem nicht nur auf die genutzte Energie für Wärme und Elektrizität beziehen. Die wichtigsten Vorgaben umfassen eine Verpflichtung zur Nutzung von mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien für Heizungsanlagen, den Einbau von Gebäudeautomation in Nichtwohngebäuden und Maßnahmen für mehr Effizienz im Betrieb.

Nichtwohngebäude mit einer Nennleistung der HLK-Anlagen von über 290 Kilowatt müssen künftig mit digitaler Gebäudeautomatisierung und -steuerung ausgerüstet sein.(Bild:  Siemens)
Nichtwohngebäude mit einer Nennleistung der HLK-Anlagen von über 290 Kilowatt müssen künftig mit digitaler Gebäudeautomatisierung und -steuerung ausgerüstet sein.
(Bild: Siemens)

Automatisierungsgrad B wird beim Gebäudeenergiegesetz Pflicht

Die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes betreffen also nicht nur die Versorgung mit regenerativen Energien. Das Gesetz stellt auch klare qualitative Anforderungen an die gebäudetechnischen Anlagen zur Wärme- und Kälteerzeugung, deren Automatisierungsfunktionen sowie deren Inbetriebnahme und Einregulierung. In der Praxis bedeutet das: Nichtwohngebäude mit einer Nennleistung der Heizungsanlage, Klimaanlage oder kombinierten Raumheizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage von über 290 Kilowatt müssen künftig mit digitaler Gebäudeautomatisierung und -steuerung sowie Energieüberwachungstechnik ausgerüstet sein.

Diese gesetzliche Vorgabe kombiniert die beiden Aspekte digitale Energieüberwachungstechnikund Gebäudeautomatisierung. Letztere muss dabei vielschichtige Aufgaben übernehmen. Konkret muss ein Gebäudeautomationssystem nach GEG für neu zu errichtende Gebäude mit Funktionen gemäß Automatisierungsgrad B (nach DIN V 18599-11: 2018-09) ausgestattetsein. Das bedeutet, dass Erzeuger und Verbraucher miteinander kommunizieren und die Erzeuger Wärme und Kälte für die Gebäudebereiche nur so „bedarfsgerecht“ erzeugen, wie sie von den Verbrauchern aktuell benötigt werden.

Gebäudeenergiegesetz: Regenerative Energien effizient einsetzen

Selbst wenn Gebäude mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien versorgt undautomatisiert betrieben werden, kann der Verbrauch immer noch ineffizient sein. Vor diesem Hintergrund umfasst das Gebäudeenergiegesetz auch Maßnahmen, den Betrieb von Heizungsanlagen effizient zu gestalten und den Energieverbrauch des Gebäudes zu minimieren. Zu den verpflichtenden betriebsoptimierenden Maßnahmen gehören Prüfungen und Optimierungen in regelmäßigen Abständen. Sie betreffen neu eingebaute Wärmepumpen ebenso wie ältere Heizungsanlagen. Hinzu kommt der verpflichtende hydraulische Abgleichvon Heizungsanlagen mit Wasser als Wärmeträger beim Einbau.

Ein umfassendes  Energiedatenmanagement sorgt für Transparenz im Energieverbrauch und ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Effizienz aller gebäudetechnischen Anlagen.(Bild:  Siemens)
Ein umfassendes Energiedatenmanagement sorgt für Transparenz im Energieverbrauch und ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Effizienz aller gebäudetechnischen Anlagen.
(Bild: Siemens)

So umfangreich die Vorgaben im Gebäudeenergiegesetze auch sind – Eigentümer und weitere Akteure im Gebäudebereich sollten das GEG als Chance sehen. Denn als einheitliches Regelwerk über die energetischen Anforderungen bietet es Orientierung und schafft die Voraussetzung für ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenpaket, um Gebäude ganzheitlichnachhaltig zu gestalten.

Einen 360-Grad-Blick auf alle relevanten Bereiche von der Versorgung über die Automatisierung bis zu den einzelnen Verbrauchern bieten auch Anbieter von Lösungskonzepten und Services für den Gebäudesektor. Sie verfügen über die Technologien und Know-how zur Erfüllung aller gesetzlichen Anforderungen an Nichtwohngebäude,die die Elektrifizierung der Wärmeversorgung, digitale Energieüberwachungstechnikund Gebäudeautomatisierung umfassen.

Elektrifizierte Versorgung, automatisierte Verbrauchsüberwachung

Verschiedene Energieversorgungslösungen können helfen, die 65-Prozent-Pflicht zuerfüllen. Um unter den vielfältigen Möglichkeiten die passende nachhaltige Lösung zu finden, bieten viele Anbieter ein Rundumpaket, das die Konzeption und Planung, die Installation und ganzheitliche Integration der Anlagen in die vorhandene Infrastruktur sowie ein übergreifendes Energie- und Lastmanagement umfasst. Zu den möglichen Maßnahmen für eine nachhaltige Wärmeversorgung gehört vor allem die Bereitstellung von thermischerEnergie durch effiziente Wärmepumpen, aber etwa auch die lokale Energieerzeugung mit Power-to-Heat- und PV-Anlagen, Brennstoffzellen, der Bezug und die Speicherung von grünem Strom oder eine Erhöhung der Effizienz durch die Absenkung der Vorlauftemperatur.

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Das Angebot an digitaler Energieüberwachungstechnik deckt die Bereiche Energieverbrauch und Gebäudeeffizienz ab. Ein umfassendes Energiedatenmanagement mit technischem Langzeit-Monitoring ermöglicht es, sämtliche Verbraucher jederzeit im Blick zu behalten. DasISO-50001-konforme Energiedatenmanagement bietet nicht nur Transparenz im Energieverbrauch, sondern auch eine kontinuierliche Erfassung und Auswertung der Verbrauchswerte aller Energiezähler inklusive Energieauswertung und Kennzahlen.

Umfassender Einblick in die Effizienz

Durch Langzeit-Monitoring erhalten Gebäudebesitzer einen umfassenden Einblick in die Effizienz aller gebäudetechnischen Anlagen. Die kontinuierliche Analyse des Betriebsverhaltens wird automatisiert. Auf dieser Datengrundlage sind eine Effizienzbewertung und das Aufdecken von Effizienzpotenzialen schnell möglich. Zudem sind Informationen über Schwachstellenund erreichte Verbesserungen transparent verfügbar.

Ein besonderes Augenmerk auf das Potenzial der Gebäudeautomation sollten Eigentümer legen, die auf dem Weg zum nachhaltigen Gebäude möglichst schnell Ergebnisse erzielen wollen. Digitale Technologien können den Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent senken,ohne dass aufwendige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Zum Beispiel mit dem Gebäudeautomationssystem Desigo von Siemens erhalten Eigentümer alles, was sie zur Verbesserung ihrer Gebäudeleistung benötigen – von Feldgeräten und weiterer Hardware bis hin zu Cloud-Lösungen. Durch die Anpassung von Gebäudeanwendungen an die individuellenStandortgegebenheiten lassen sich nicht nur der Energieverbrauch und die Wartungskosten reduzieren, sondern auch ideale Umgebungen für alle Nutzer des Gebäudes schaffen.

GebäudeenergiegesetzAxel Schlarb 
ist Leiter Portfolio Automation bei Siemens Smart Infrastructure Deutschland.

Bildquelle: Siemens

GebäudeenergiegesetzAndreas Schmuderer 
ist Leiter Energy Performance Services bei Siemens Smart Infrastructure Deutschland.

Bildquelle: Siemens