Small is beautiful Erfolgsmodell Wasserkraft in Norwegen

Ein Gastbeitrag von Jan Erik Schulien 4 min Lesedauer

Norwegen ist beim Einsatz von Wasserkraft zur Energieerzeugung absoluter Spitzenreiter in Europa. Rund 90 Prozent der Stromerzeugung stammen in dem skandinavischen Land aus Wasserkraft.

(Bild:  Nattawat / Adobe Stock)
(Bild: Nattawat / Adobe Stock)

Gigaprojekte prägen oft bei einem Thema dessen Bild in der Öffentlichkeit. Das ist bei derWasserkraft nicht anders. Riesige Anlagen, beispielsweise der Drei-Schluchten-Dammam Jangtsekiang mit einer Leistung von 22,5 GW, sind medial omnipräsent. Der Gigantismus solcher Projekte geht einher mit gravierenden Eingriffen in das umgebende Ökosystem, negativen Folgen für die Bevölkerung und oft nicht unerheblichen Sicherheitsrisiken. Dabei bilden die riesigen Wasserkraftwerke am Jangtsekiang oder auch das Itaipu mit rund 16 GW Leistung am Rio Paraná in Brasilien und Paraguay nur einen Teil der Möglichkeiten von Wasserkraft ab.

Die vielleicht interessantere Seite der Medaille der Wasserkraft zeigt der Blick nach Norwegen. Das Land ist beim Einsatz von Wasserkraft zur Energieerzeugung absoluter Spitzenreiter in Europa. Rund 90 Prozent der Stromerzeugung stammen dort aus Wasserkraft. Die gesamte jährliche Energieproduktion aus Wasserkraft ist in Norwegen etwa achtmal so hoch wie im flächenmäßig nur wenig kleineren Deutschland. Die Gesamtleistung aller Wasserkraftanlagen in dem skandinavischen Land mit 5,5 Millionen Einwohnern summiert sich auf etwa 34 GW.

In Norwegen weitverbreitet: Kleine Wasserkraftwerke – wie hier das Jordalen-Kraftwerk in Voss.(Bild:  Deutsche Wasserkraft)
In Norwegen weitverbreitet: Kleine Wasserkraftwerke – wie hier das Jordalen-Kraftwerk in Voss.
(Bild: Deutsche Wasserkraft)

Dies ist etwas weniger als das, was das Drei-Schluchten-Kraftwerk und das Itaipu-Kraftwerk zusammen liefern. Im Gegensatz zu China erzeugt Norwegen die Energie jedoch auch mit vielen Tausend Small-Hydro-Kraftwerken. Die Vorteile dieser kleinen Wasserkraftwerke liegen auf der Hand.

Small-Hydro-Kraftwerke

Die Funktionsweise solcher Ausleitungs-Laufwasser-Kraftwerke ist grundsätzlich ziemlich einfach. Von einem Flüsschen wird – abhängig von der Weiterung und den aktuellen Wasserverhältnissen – ein gewisser Teil des Wassers durch ein sogenanntes Intake-Becken in ein Fallrohr geleitet. Dieses verläuft dann in der Regel mit Gefälle einige hundert Meter parallelzum Flusslauf bis zu einem Turbinenhaus, in dem die Energieerzeugung stattfindet. Der Höhenunterschied bewegt sich üblicherweise zwischen 20 und bis zu 500 Höhenmetern. Nach dem Turbinenhaus wird das Wasser durch einen Auslass wieder in das Flüsschen zurückgeleitet. Die Auswirkungen auf das Ökosystem des Gewässers, die umgebende Landschaft, die Wassermenge und die Biodiversität sind nur gering, die Eingriffe sehr überschaubar.

Laufwasser-Kraftwerke benötigen meistens keine große Wassermasse, sie kompensieren diese vielmehr durch relativ hohe Fallhöhen. Entsprechend klein können solche Anlagen sein, was auch wiederum die Eingriffe in die Umwelt minimiert. Verschwiegen werden darf dabei nicht, dass die topographischen und meteorologischen Voraussetzungen in Norwegen für kleine Laufwasser-Kraftwerke nahezu ideal sind. Eine lange Küstenlinie im Westen des Landes, die oft ziemlich steil zum Meer abfällt, sowie überdurchschnittlich hohe jährliche Niederschläge durch die Lage im Nordatlantik generieren an zahllosen Orten vielfältige wirtschaftlich sinnvolleKombinationen aus Wassermenge und Fallhöhe, die sich hervorragend für kleine Laufwasserkraftwerke eignen. Gerade wenn signifikanten Fallhöhen erreicht werden können, sind die benötigten Wassermengen gering, woraus kleinere Maschinen, geringerer Flächenbedarf und niedrigere Bau- und Betriebskosten resultieren.

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