Quest One, bisher bekannt als H-TEC Systems, hat eine neue Ära in der Erzeugung von grünem Wasserstoff eingeläutet. Im „Gigahub“-Werk der MAN-Tochter werden ab 2025 Stacks für PEM-Elektrolyseure in industrieller Serienfertigung hergestellt. Die Stückzahlen der Anlagen soll so drastisch steigen – und die Preise deutlich sinken.
Der Quest One-Gigahub in Hamburg-Rahlstedt ermöglicht künftig die Serienfertigung von PEM-Elektrolyseuren im industriellen Maßstab.
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Dass zur Eröffnung eines 12.000 Quadratmeter großen Firmengebäudes der Bundeskanzler persönlich die Opening-Rede hält, passiert nicht alle Tage. Doch der neue Standort, den die MAN-Konzerntochter "Quest One", vormals H-TEC Systems, am 30. September 2024 im Hamburger Vorort Rahlstedt eingeweiht hat, ist auch nicht irgendeine Produktions- oder Lagerhalle: Mit dem „Gigahub“ hat die Firma ein neues Tor im Wettlauf um die industrielle Vorherrschaft in der Wasserstoffwirtschaft aufgestoßen.
Neben Olaf Scholz waren bei der Eröffnung des neuen „Gigahub“-Werks des Wasserstoff-Anlagenherstellers H-TEC Systems (ab sofort: „Quest One“) weitere hochrangiger Gäste zu sehen: Die Hamburger Stadtspitze mit dem Regierenden Bürgermeister Peter Tschentscher und Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard war ebenso geladen wie Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.
Prominenter Eröffnungsredner: Bundeskanzler Olaf Scholz ist in Rahlstedt aufgewachsen.
(Bild: Bundesregierung / Marvin Ibo Güngör)
Volkswagen und MAN sind stolz auf ihre „“Wasserstoff-Tochter“
Vertreten waren auch wichtige Repräsentanten des Konzernverbunds, zu dem die „Firma mit dem neuen Namen“ gehört: Uwe Lauber, Vorstandschef von MAN Energy Solutions, und Gunnar Kilian, Mitglied im Vorstand der Volkswagen AG, war der Stolz auf die Tochter, die jetzt "Quest One" heißt, deutlich anzumerken. Wie alle 800 Anwesenden applaudierten die Konzernvorstände lange dem Bundeskanzler, der die außergewöhnliche Bedeutung dieser Eröffnung hervorhob: „Bis jetzt waren alle Elektrolyseure quasi Handarbeit. In der Serienfertigung können Sie bei Quest One künftig 75 Prozent der Produktionszeit einsparen. Das ist beeindruckend!“
Tatsächlich wird das Werk in Hamburg-Rahlstedt, wenn es im Frühjahr 2025 seine Arbeit aufnimmt, die weltweit erste (teil-)automatisierte Serienfertigung der „Stacks“ (Stapel) beherbergen, die das Herzstück jedes PEM-Elektrolyseurs ausmachen. Die PEM-Elektrolyse, beruhend auf der Protonen-Austausch-Membran-Technologie (PEM), ist das derzeit wichtigste Verfahren für die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff, der ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft erzeugt wird.
Die Serienfertigung der PEM-Stacks startet 2025 - in Reinraumumgebung
(Bild: r.energy / W. Rauscheder)
Der entscheidende Vorzug der PEM-Technik: Sie ist äußerst flexibel steuerbar - und ermöglicht es damit, die Anlagen immer dann rasch „hochzufahren“, wenn Wind- und Solarparks „zuviel“ Strom erzeugen – und ihre Überkapazitätendrohen, die angeschlossenen Abnehmernetze zu überlasten. Bisher müssen die Erzeugerparks in solchen Fällen sofort abgeschaltet werden – und können erst dann wieder hochfahren, wenn im Stromnetz ein Abnahme-Überhang besteht. Auf diese Weise gehen in Deutschland Jahr für Jahr immense Mengen an erzeugtem Strom verloren. Nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNA) betrug der Stromverlust aufgrund von Netzengpässen im Jahr 2022 620 Millionen Kilowattstunden (620 Gigawattstunden) – nur bei einspeisenden Solaranlagen.
Quest One will die Nummer Eins bei der Herstellung von Wasserstoff-Elektrolyseuren werden
Die Serienproduktion von PEM-Elektrolyseuren ist ein entscheidender Schritt in der „Wasserstoff-Erzeugungskette“: Nur wenn solche Anlagen in ausreichender Menge und Kapazität lieferbar sind und ihr Preis deutlich sinkt, wird grüner Wasserstoff künftig in großen Mengen CO2-frei erzeugt werden. Und nur dann hat der „Speicherstoff der Energiewende“ die Chance, zu einer verlässlichen Alternative für fossile Brennstoffe werden.
Der neue Produktions- und Entwicklungsstandort in Rahlstedt spielt also eine zentrale Rolle bei der Verwirklichung der Mission, die sich Quest One selbst gesetzt hat: Bis 2050 will die Firma durch den weltweiten Einsatz ihrer Elektrolyseure dazu beitragen, ein Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zu vermeiden.
Bei der Eröffnung hat Robin von Plettenberg, der als Chef die frühere H-TEC Systems GmbH (mit Sitz in Augsburg) zur heutigen Quest One (mit Serien-Stackproduktion in Hamburg) geführt hat, diese Mission mit eindringlichen Worten unterstrichen: „Wie wir alle werde auch ich von meinen vier Kindern eines Tages gefragt werden: Was habt ihr dafür getan, dass wir heute gesund und sicher leben können? Der neue Gigahub ist eine der Antworten auf diese Frage. Wir werden ihn zu etwas Großem weiterentwickeln – und in einigen Jahren alle stolz darauf sein , bei der Eröffnung dabei gewesen zu sein!“
Quest One-Chef Robin von Plettenberg (am Pult) mit illustrer Schar von Eröffnungsgästen.
(Bild: r.energy / W. Rauscheder)
Unternehmerisches Wasserstoff-Investment mit öffentlicher Förderung
Die automatisierte Massenfertigung von PEM-Stacks bei Quest One ist schon der dritte große Schritt, den Hamburg zuletzt auf dem Weg gemacht hat, zum Schlüsselort der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland zu werden. Schon im August konnte die Hansestadt zwei große Erfolge auf diesem Weg vermelden: Zum einen wurde die Umwandlung des einstigen Kohlekraftwerks Moorburg in einen der europaweit größten Erzeugungsorte für grünen Wasserstoff in Europa beschlossen – einschließlich der Aufnahme des Projekts in die IPCEI-Förderliste der Europäischen Union (IPCEI = Important Project of Common European Interest). Zum zweiten wurde auch die Förderung für den Plan genehmigt, im und um den Hamburger Hafen ein mehr als 60 Kilometer langes Leitungsnetz zu bauen, das geeignet ist, flüssigen Wasserstoff rasch an wichtige industrielle Produktionsstandorte zu transportieren.
Stand: 16.12.2025
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Auch MAN Energy Solutions, seit 2021 die Muttergesellschaft von Quest One im MAN-Konzern, hat für die Errichtung des Gigahubs Fördergelder von der Stadt Hamburg und vom Bund erhalten. Deren Höhe von wenigen Millionen Euro aber nimmt sich gegenüber den Investitionszusagen der Volkswagen AG, zu der der MAN-Konzern gehört, eher bescheiden aus. Dort hat man nach Aussagen von Volkswagen-Vorstand Lauber eine Gesamtsumme von nich weniger als 500 Millionen Euro für den weiteren Ausbau der Marktaktivitäten von Quest One bereitgelegt.
Wichtige Kennzahlen zum Gigahub:
Gesamtfläche: 16.000 qm für Stack-Produktion/Testing und Büroflächen
Output: PEM-Stacks mit einer Elektrolysekapazität von rund 5 Gigawatt pro Jahr
Zwei Fertigungslinien in Reinraum-Umgebung (Größe: 430 m2)
50 Prüfstände für Elektrolyseure von 100 Watt bis 3 Megawatt
Eigene H2-Produktion: bis zu 1 Tonne pro Tag (EU-Richtlinie RED II)