Bundesverband Solarwirtschaft Solarstrom: Zu viel Sonne erhöht nicht das Blackout-Risiko

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Führt zu viel Sonne zu einer Überlastung der Stromnetze durch zu viel Solarstrom? Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft ist das Risiko, dass es zu einem Blackout kommt, sehr gering.

(Bild:  Ruslan Batiuk / Adobe Stock)
(Bild: Ruslan Batiuk / Adobe Stock)

An Feiertagen im Sommer und Frühling gibt es ordentlich Sonnenschein – und es wird fleißig Solarstrom produziert. Doch eine geringe Nachfrage führt dann zu einer Überlastung der Stromnetze und sogar zu einem Blackout?

Nein, sagt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Seiner Einschätzung nach ist das Risiko, dass es infolge von zu viel Solarstrom zu einer Überlastung der Stromnetze, einer temporären Überforderung beim Bilanz-Ausgleich oder gar einem Blackout kommen kann, sehr gering.

Solarstrom: Keine Überlastung zu befürchten

Laut der Interessensvertretung der Solar- und Speicherbranche habe die Politik gemeinsam mit der Wirtschaft rechtzeitig Vorsorge und die erforderlichen regulatorischen und technischen Vorkehrungen getroffen, um einen Blackout im Stromsystem zu vermeiden. Dazu habe unter anderem die Systemstabilitätsverordnung aus dem Jahr 2012 und nicht zuletzt das jüngst verabschiedete Solarspitzen-Gesetz beigetragen.

Auch für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass ein rechtzeitiger Bilanz-Ausgleich zwischen Stromangebot und Nachfrage nicht gelänge, dürften die Folgen nach Meinung der Energie-Experten überschaubar und beherrschbar bleiben. Regulatorische Vorgaben und Normen auf der Ebene der EU und der Nationalstaaten würden dies sicherstellen.

„Nicht korrekt sind Behauptungen, nach denen bei einer Frequenzsteigerung auf über 50,2 Hertz im Stromnetz nur ein unzureichender Notfallmechanismus bei Photovoltaik-Wechselrichtern greift und abrupte Massenabschaltungen von Photovoltaikanlagen sowie ein drastischer Abfall der Netzfrequenz droht“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Ebenso falsch sei die Aussage, dass es im Anschluss beim Wiederanschalten der Photovoltaikanlagen erneut zu plötzlichen und massiven Frequenzschwankungen kommen kann.

Wechselrichter drosseln Leistung

Genauso sieht es Prof. Bernd Engel, Netzintegrations-Experte am Elenia Institut der TU Braunschweig: „Photovoltaikanlagen werden in Deutschland bereits seit 2012 bei Frequenzüberschreitungen nicht einfach abgeschaltet. Vielmehr wird die Leistung mittels der Wechselrichter, den Steuerungsinstrumenten einer Solaranlage, in Abhängigkeit von der Netzfrequenz stufenlos gedrosselt.“  Je höher die Frequenz steigt, umso mehr reduziere der Wechselrichter seine Einspeiseleistung.

Zudem wurden alle Photovoltaiksysteme mit einer Leistung über zehn Kilowatt, die vor 2012 in Betrieb genommen worden sind, nach den Vorschriften der Systemstabilitätsverordnung nachgerüstet, die bereits im Juli 2012 in Kraft getreten war. Damit wurde sichergestellt, dass sie nicht mehr bei 50,2 Hertz abschalten, sondern gestuft bei unterschiedlichen Frequenzen. Seit 2018 ist dieses systemdienliche Verhalten in ganz Europa für alle Photovoltaik-Wechselrichter vorgeschrieben.

Auch das vermeintliche Risiko eines sogenannten Rebound-Effekts, also Frequenzschwankungen ausgelöst durch das Wiederhochfahren von Solarstrom-Anlagen, sei laut dem BSW-Solar in der Praxis ausgeschlossen. Wenn die Frequenz wieder sinke, dann erhöhen die Solaranlagen ihre Leistung nach demselben Verfahren. Selbst wenn sich einige Wechselrichter vollständig abschalten, müsse sich das Netz zunächst für mindestens eine Minute in einem stabilen Zustand befinden, bevor die Wechselrichter sich wieder zuschalten und mit zehn Prozent Nennleistung pro Minute langsam wieder hochfahren.

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