Von
Melanie Ehrhardt (verantwortlich)
7 min Lesedauer
Offshore-Windenergie zählt zu den wichtigsten Säulen der Energiewende. Moderne Windparks auf dem Meer liefern große Mengen klimafreundlichen Strom und werden immer leistungsfähiger. Wir zeigen aktuelle Entwicklungen, wichtige Trends, Herausforderungen und Zukunftsaussichten.
Offshore-Windenergie ist eine wichtige Säule der Energiewende. Die Windkraftanlagen auf dem Meer erzeugen Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle und verursachen dabei keine direkten CO₂-Emissionen. Über dem Meer weht der Wind stetiger und im Mittel stärker als an Land. Dadurch können Offshore-Windparks besonders zuverlässig große Mengen Strom produzieren.
Außerdem trägt Offshore-Windenergie dazu bei, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas zu verringern. Sie stärkt die Versorgungssicherheit und unterstützt den Aufbau einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung. Daher gilt Offshore-Windkraft als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien im Bereich der erneuerbaren Energien.
Hinzu kommt: Die Erzeugung von Wasserstoff aus Offshore-Wind (grüner Wasserstoff) gilt als Schlüssel für die Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr. Der auf dem Meer erzeugte Windstrom spaltet dabei in Elektrolyseuren Meerwasser (nach vorheriger Entsalzung) in Wasserstoff und Sauerstoff.
Soweit die Theorie. Aber wo stehen wir bei Leistung und Ausbau wirklich? Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die globalen Zahlen, aktuellen Trends und zukünftige Entwicklungen.
Was ist Offshore-Windenergie?
Offshore-Windenergie ist die Erzeugung von elektrischem Strom durch Windkraftanlagen, die im Meer errichtet werden. Der Begriff „offshore“ bedeutet „vor der Küste“.
Die Anlagen nutzen die Kraft des Windes, um ihre Rotorblätter zu drehen. Diese Bewegung treibt einen Generator an, der elektrischen Strom erzeugt. Der Strom wird anschließend über Seekabel zum Festland transportiert und dort in das Stromnetz eingespeist.
Offshore-Windparks haben den Vorteil, dass auf dem Meer meist stärkere und gleichmäßigere Winde wehen als an Land. Dadurch können sie besonders viel Strom erzeugen. Allerdings sind der Bau und die Wartung der Anlagen auf dem Meer aufwendig und teuer.
Globaler Marktüberblick
Der Ausbau der Offshore-Windenergie geht weltweit voran. Ende 2024 waren rund um den Globus Offshore-Windparks mit einer Gesamtkapazität von etwa 83.000 MW installiert.
Befand sich der Schwerpunkt der weltweiten Offshore-Nutzung noch vor wenigen Jahren in Europa, so rangiert Asien mittlerweile gleichauf mit den europäischen Ländern. Vor allem China treibt den Ausbau der Offshore-Windenergie mit hohem Tempo voran und hat sich innerhalb weniger Jahre zum weltweit größten Offshore-Einzelmarkt weltweit entwickelt.
Weltweit installierte Leistung (in Megawatt)
(Bild: REN)
Die Statistik zeigt die Entwicklung der kumulierten Leistung von Offshore-Windenergieanlagen weltweit in den Jahren 2014 bis 2024. Im Jahr 2024 betrug die gesamte Leistung aller Windenergieanlagen auf See weltweit rund 83 Gigawatt.
Quelle: Statista 2026; Erhebung durch: GWEC
Wer führt beim Ausbau?
Mit einer installierten Leistung von knapp 47.390 MW entfallen Ende 2025 über 50 Prozent der weltweit installierten Gesamtleistung auf China. An zweiter Stelle folgt das Vereinige Königreich mit 16.965 MW, vor Deutschland auf Platz 3 mit rund 9.670 MW.
Mit deutlichem Abstand folgen die Niederlande, Taiwan, Dänemark, Belgien, Frankreich und Vietnam.
Wichtigste Länder weltweit (in Megawatt)
(Bild: REN)
Die Statistik zeigt die wichtigsten Länder weltweit nach installierter Leistung der Offshore-Windenergieanlagen im Jahr 2025. Im genannten Jahr lag die kumulierte Leistung der Offshore-Windenergieanlagen im Vereinigten Königreich bei rund 17 Gigawatt.
Quelle: Statista 2026; Erhebung durch: IRENA
Der aktuell größte Offshore-Windpark weltweit ist Hollandse Kust Zuid in den Niederlanden mit einer Leistung von 1.500 Megawatt. Er gehört zum Großteil dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall, weitere Anteile halten der Chemiekonzern BASF und der Versicherungskonzern Allianz. Im September 2023 nahm der niederländische König Willem-Alexander den Windpark feierlich in Betrieb.
Fünf der zehn größten Windparks gehörten zuletzt Großbritannien, darunter Seagreen und Moray East mit jeweils 950 Megawatt. Insgesamt vier Offshore-Windparks standen in der Nordsee.
Floating-Offshore-Wind – Zahlen & Perspektiven
Eine weitere Methode zur Erzeugung sauberer erneuerbarer Energien aus Wind auf hoher See ist das sogenannte Floating-Offshore-Wind. Die Technologie ist ähnlich wie bei herkömmlichen Offshore-Windkraftanlagen.
Im Gegensatz zu den auf festen Fundamenten im Meeresgrund installierten Turbinen stehen sie jedoch auf schwimmenden Unterstrukturen. Diese sind über Leinen im Meeresboden verankert. Der von den Turbinen erzeugte grüne Strom wird über dynamische Array-Kabel und Seekabel an die Küste transportiert.
Technologie steht noch am Anfang
Zurzeit befinden sich viele Floating-Offshore-Windparks noch in der Test- oder Aufbauphase. Im Jahr 2024 betrug die weltweit installierte Gesamtleistung aller schwimmenden Windkraftanlagen 270 MW.
Bis 2025 waren weltweit mehr als 15 schwimmende Windparks im kommerziellen Maßstab mit Turbinenkapazitäten zwischen 6 MW und 15 MW in Betrieb. Über 120 schwimmende Windprojekte befanden sich weltweit in verschiedenen Planungs- und Entwicklungsstadien und repräsentieren eine potenzielle Kapazität von mehr als 30 GW.
Stand: 16.12.2025
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Aktuelle Beispiele
Die Technik wird jedoch konstant weiterentwickelt und die Kosten sinken nach und nach. Experten gehen deshalb davon aus, dass Floating Offshore Wind in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien spielen wird.
Drei aktuelle Beispiele für Floating-Offshore-Windparks sind:
Hywind Tampen (Norwegen): Der weltweit größte schwimmende Offshore-Windpark liegt etwa 140 Kilometer vor der norwegischen Küste in der Nordsee. Er besteht aus 11 schwimmenden Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 94,6 Megawatt (MW).
Provence Grand Large (Frankreich): Frankreichs erster schwimmende Offshore-Windpark wurde im Juni 2025 in Betrieb genommen. Er liegt im Mittelmeer 40 Kilometer westlich von Marseille und besteht aus drei schwimmenden 8-MW-Windturbinen.
Kincardine (Schottland): Der schwimmende Offshore-Windpark liegt vor der Ostküste Schottlands, etwa 15 km südöstlich von Aberdeen. Er verfügt über eine installierte Leistung von fast 50 MW und war bei seiner Inbetriebnahme im Jahr 2021 der weltweit größte Windpark mit schwimmenden Turbinen.
Trends & Innovationen
Der Markt für Offshore-Windkraft wird derzeit von mehreren technischen Trends und Innovationen geprägt. Neben den bereits erwähnten schwimmenden Windkraftanlagen (Floating-Offshore-Wind) gehören dazu:
Größere und leistungsstärkere Windkraftanlagen: Die Hersteller entwickeln immer größere Turbinen mit Leistungen von 15 bis 20 Megawatt (MW) oder mehr. Größere Rotoren können mehr Windenergie aufnehmen, wodurch weniger Anlagen benötigt werden, um die gleiche Strommenge zu erzeugen.
Innovative Fundamente: Neben klassischen Monopiles werden neue Fundamenttypen wie Jacket-Fundamente und Suction Buckets. Sie ermöglichen den Einsatz von Windkraftanlagen auch in größeren Wassertiefen und unter schwierigeren Bodenbedingungen.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI): Sensoren, Drohnen und KI-gestützte Datenanalysen überwachen den Zustand der Windkraftanlagen in Echtzeit. Dadurch können Wartungsarbeiten besser geplant, Ausfälle frühzeitig erkannt und die Betriebskosten gesenkt werden.
Verbesserte Stromübertragung: Moderne Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssysteme (HGÜ) transportieren den erzeugten Strom über große Entfernungen mit geringen Energieverlusten an Land. Gleichzeitig werden Offshore-Netze aufgebaut, die mehrere Windparks miteinander verbinden.
Automatisierung von Bau und Wartung: Der Einsatz von autonomen Schiffen, Unterwasserrobotern und Drohnen erleichtert Inspektionen und Reparaturen. Dadurch werden Wartungsarbeiten sicherer, schneller und kostengünstiger.
Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass Offshore-Windenergie effizienter, wirtschaftlicher und leistungsfähiger wird. Besonders Floating Offshore Wind, größere Turbinen und die Digitalisierung gelten derzeit als die wichtigsten Innovationen für die zukünftige Entwicklung der Branche.
Herausforderungen & Rahmenbedingungen
Ausbau der Stromnetze
Der erzeugte Strom muss über Seekabel und leistungsfähige Stromnetze an Land transportiert werden. In vielen Regionen müssen die Übertragungsnetze erst ausgebaut oder modernisiert werden. Verzögerungen beim Netzausbau können dazu führen, dass fertige Windparks nicht ihre volle Leistung einspeisen können.
Genehmigungsverfahren
Die Planung und Genehmigung von Offshore-Windparks ist oft langwierig. Zahlreiche Behörden müssen beteiligt werden, und es sind umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich. Dadurch können sich Projekte um mehrere Jahre verzögern.
Umweltschutz
Der Bau und Betrieb von Offshore-Windparks können Auswirkungen auf Meeressäuger, Fische, Seevögel und den Meeresboden haben. Besonders der Lärm beim Einrammen der Fundamente kann Meerestiere wie Schweinswale beeinträchtigen. Deshalb werden Schutzmaßnahmen wie Schallschutzsysteme, Bauzeitenregelungen und Umweltmonitoring eingesetzt.
Lieferketten
Die Nachfrage nach Windkraftanlagen, Fundamenten, Seekabeln und Spezialschiffen ist weltweit stark gestiegen. Engpässe bei Rohstoffen, Produktionskapazitäten oder Transporten können die Kosten erhöhen und Projekte verzögern.
Hohe Bau- und Wartungskosten
Offshore-Windparks werden unter schwierigen Bedingungen auf See errichtet. Stürme, hohe Wellen und Salzwasser erschweren den Bau und die Wartung. Dafür werden Spezialschiffe, Kräne und qualifiziertes Fachpersonal benötigt.
Fachkräftemangel
Für Planung, Bau, Betrieb und Wartung werden gut ausgebildete Ingenieure, Techniker und Fachkräfte benötigt. In vielen Ländern besteht jedoch ein Mangel an entsprechend qualifiziertem Personal.
Praxisbeispiel: Offshore-Windpark He Dreiht
50 Kilometer nördlich von Sylt liegt das dänische Esbjerg. Von hier aus wird der leistungsstärkste deutsche Offshore-Windpark errichtet: He Dreiht von EnBW.
Er verfügt über Gesamtleistung von 960 Megawatt und besteht aus 64 Windkraftanlagen des Typs Vestas V236-15. Jede von ihnen hat eine individuelle Nennleistung von 15 MW.
Im DETAIL
(Bild: EnBW/Rolf Otzipka)
Die Zahlen von He Dreiht im Überblick:
Installierte Leistung: 960 MW
Jährlicher Ertrag: 3,6 Mrd. kWh
Turbinen: 64 Vestas V236-15
Fundamente: Monopiles
Nabenhöhe: 142 Meter
Rotordurchmesser: 236 Meter
Rotorfläche: 43.742 Quadratmeter
Mittlere Windgeschwindigkeit: 10,4 m/s
Wassertiefe: 37,7 Meter bis 40,6 Meter
Quelle: www.enbw.com
Eine einzige Rotorumdrehung der Anlage reicht aus, um rechnerisch vier Haushalte einen Tag mit Strom zu versorgen. In einer Nabenhöhe von 142 Metern durchstreicht der Rotor mit einem Durchmesser von 236 Metern bei einer Umdrehung eine Fläche von 43.742 Quadratmetern – das entspricht der Fläche von sechs Fußballfeldern.
Fazit & Ausblick
Die Offshore-Windenergie ist ein wichtiger Baustein der Energiewende und leistet einen wesentlichen Beitrag zu einer klimafreundlichen Stromversorgung. Durch die starken und gleichmäßigen Winde auf dem Meer können Offshore-Windparks große Mengen erneuerbarer Energie erzeugen und so den Ausstoß von Treibhausgasen verringern.
In den kommenden Jahren wird die Bedeutung weiter zunehmen. Technische Innovationen wie größere Windkraftanlagen, schwimmende Offshore-Windparks (Floating-Offshore-Wind), digitale Überwachungssysteme und leistungsfähigere Stromnetze werden die Effizienz und Wirtschaftlichkeit weiter verbessern.
Gleichzeitig müssen Herausforderungen wie der Ausbau der Stromnetze, schnellere Genehmigungsverfahren, der Schutz der Meeresumwelt sowie stabile Lieferketten und ausreichend Fachkräfte bewältigt werden. Gelingt dies, kann die Offshore-Windenergie einen entscheidenden Beitrag zur sicheren, nachhaltigen und langfristig klimaneutralen Energieversorgung leisten.