Geothermie Grubenwasser aus dem Steinkohlebergbau: Nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung in Bochum

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

Die Stadtwerke Bochum nutzen demnächst für die nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung des neuen Quartiers MARK 51°7 Grubenwasser aus dem ehemaligen Steinkohlebergwerk Dannenbaum.

(Bild:  © Nenad/stock.adobe.com / Symbolbild)
(Bild: © Nenad/stock.adobe.com / Symbolbild)

Grubenwasser ist eine Hinterlassenschaft des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und eigentlich eine Last: Denn das Grubenwasser muss kontinuierlich abgepumpt werden, da das Ruhrgebiet ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes absaufen würde. Die Stadtwerke Bochum haben für die Last eine praktische Anwendung gefunden. Man nutzt das Grubenwasser für die nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung des neuen Quartiers MARK 51°7, das auf dem ehemaligen Werksgelände des Automobilherstellers Opel entsteht.

Wärme und Kälte aus Grubenwasser: So funktioniert's

Für die Wärmeversorgung soll das rund 27 bis 28 Grad Celsius warme Grubenwasser des ehemaligen Steinkohlebergwerks über Wärmepumpen auf rund 48 Grad Celsius erwärmt und anschließend in das Netz abgegeben werden. Und für die Kälteversorgung wird aus einer Tiefe von rund 340 Metern etwa 17 Grad Celsius „kaltes“ Grubenwasser gefördert.

Doch das geförderte Grubenwasser ist salzhaltig, enthält Schmutzpartikel und würde so die technischen Anlagen zum Heizen und Kühlen schädigen. Daher gelangt das Grubenwasser nicht direkt in den Kreislauf des Nahwärmenetzes. Sogenannte Plattenwärmetauscher entnehmen dem Grubenwasser die Wärme oder die Kälte und übertragen diese an ein geschlossenes Wärme-/Kältenetz der Stadtwerke Bochum. Das Grubenwasser wird anschließend zurück in das Grubenwasserreservoir geleitet werden kann, wo es durch die natürliche Erdwärme wieder erwärmt wird.

„Wir streben unter Maximalleistung eine Förderung von bis zu 160 Kubikmeter pro Stunde an. Das sind mehr als 2.600 Liter Grubenwasser in der Minute, das wir zu Tage fördern“, erklärt Markus Siepe, Projekt-Ingenieur bei den Stadtwerken Bochum,

Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW erhofft sich von diesem Vorzeigeprojekt, dass Städte und Gemeinden künftig mehr auf Erdwärme bei ihrer Wärmeversorgung setzen. „Wir brauchen mehr von solchen Projekten, um die Wärmewende schneller voranzubringen“, so Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW. Ihm zufolge würden Grubenwasser und die Geothermie bislang noch viel zu wenig genutzt.

Im Laufe des kommenden Jahres sollen die auf MARK 51°7 ansässigen Firmen mit erneuerbarer Wärme und Kälte aus Grubenwasser durch die Stadtwerke Bochum versorgt werden. Für die Stadtwerke ist die Wärme- und Kälteversorgung des neuen MARK-51°7-Quartiers das zweite Projekt mit Grubenwasser. Bereits 2012 begannen die Stadtwerke, der 1968 stillgelegten Reche Zeche Robert Müser in Bochum-Werne das 20 Grad warme Wasser aus der Tiefe zu entziehen. Zwei Schulen und die Hauptwache der Feuerwehr heizen seitdem klimafreundlich mit Grubenwasser.

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