Hochleistungsbatteriespeicher Geschäftsführer von KB.energy berichtet zu neuem Musterspeicher

Von Das Interview wurde geführt von Michael Hobohm 4 min Lesedauer

Im niedersächsischen Sulingen hat KB.energy einen Musterspeicher in Betrieb genommen. Interessierte können sich dort den Aufbau und den Betrieb eines Megawattspeichers, der speziell für die dynamischen Anforderungen des Stromhandels konzipiert wurde, live ansehen. Geschäftsführer Dirk Labudda beantwortet Fragen von r.energy zum KB.esave und dem neuen Musterspeicher.

Dirk Labudda: "Der 'KB.esave' ist für verschiedene Einsatzfelder konzipiert: als Stand-alone-Speicher, co-located zu Energieerzeugungsanlagen, zur Wertsteigerung von Gewerbeimmobilien und als Investitionsobjekt für Projektgesellschaften."(Bild:  KB.energy)
Dirk Labudda: "Der 'KB.esave' ist für verschiedene Einsatzfelder konzipiert: als Stand-alone-Speicher, co-located zu Energieerzeugungsanlagen, zur Wertsteigerung von Gewerbeimmobilien und als Investitionsobjekt für Projektgesellschaften."
(Bild: KB.energy)

Herr Labudda, in Sulingen steht seit Kurzem ein auf den ersten Blick etwas unscheinbarer 40-ft-Containter auf einem Firmengelände. Sieht man etwas genauer hin, erkannt man allerdings: Hier passiert etwas. Regelmäßig kommen Besucher auf das Gelände. Was hat es damit auf sich?

Dirk Labudda: Tatsächlich sieht man diesem Container von außen kaum an, was in seinem Inneren steckt. Hier arbeiten mehr als 1.500 Batteriezellen, die gemeinsam eine Leistung von 828 kW und eine Kapazität von mehr als 1.300 kWh bereitstellen. Er ist ein Muster unseres Hochleistungsbatteriespeichers KB.esave, das wir Ende August aufgestellt haben, um den Aufbau und Betrieb live zeigen zu können. Dabei handelt es sich um eine Demo-Anlage, die über einen Trader aber regulär am Stromhandel teilnimmt. In der Realität beginnen unsere Projekte bei 2,5 MW.

Was zeichnet den KB.esave aus, und was unterscheidet ihn von den Produkten Ihrer Mitbewerber?

Dirk Labudda: Zum einen setzen wir auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen, sprich LiFePO4, die thermisch nicht durchgehen können – ein wichtiger Punkt für die Sicherheit. Die Zellen sind speziell für stationäre Anwendungen entwickelt und werden permanent online überwacht. Jede einzelne ist austausch- und steuerbar. Außerdem bestehen alle weiteren Systemkomponenten wie Wechselrichtertechnik bis hin zu Netzschutzkomponenten aus Standardbauteilen der Industrie, die aus Deutschland stammen. Das bedeutet kurze Wege, hohe Qualität und langfristige Verfügbarkeit. Zum anderen ist der Speicher modular aufgebaut: Er lässt sich in stapelbaren Containern betreiben, skalieren und sowohl im Außenbereich als auch innerhalb von Gebäuden einsetzen. Unser KB.esave wurde in Niedersachen entwickelt und gebaut, explizit für die dynamischen Anforderungen des Stromhandels. Der Speicher benötigt aufgrund der Architektur und des Managements seiner Batterien keine Ruhephasen. So steht er steht dem Stromhandel fast immer zur Verfügung.

Wie funktioniert Stromtrading, und was macht den Speicher wirtschaftlich interessant?

Dirk Labudda: Über einen Trader handelt der KB.esave automatisch an der Strombörse. Er kauft Strom, wenn dieser günstig oder im Preis sogar negativ ist, und er verkauft ihn, sobald der Preis steigt. Das passiert je nach Markt teilweise im 15-min-Takt und für die Betreiber vollkommen automatisiert. Der Stromhandel ist also sehr dynamisch und die Preise volatil. Genau hier setzt der KB.esave an. Er nutzt die Marktsituation und erwirtschaftet Rendite für die Betreiber. Beim Stromtrading muss der Käufer auch physisch in der Lage sein, den Strom abzunehmen. Für den KB.esave ist das kein Problem, da er kaum Ruhephasen benötigt. Eine Restkapazität von 80 % nach 20 Jahren oder 10.000 Vollladezyklen wird vom Hersteller garantiert. Diese Garantie wird beispielsweise bei 2,5 Vollladezyklen pro Tag nach einer Nutzungsdauer von elf Jahren erreicht.

Der Hochleistungsbatteriespeicher im niedersächsischen Sulingen arbeitet mit mehr als 1.500 Batteriezellen, die eine Leistung von 828 kW und eine Kapazität von über 1.300 kWh bereitstellen.(Bild:  KB.energy)
Der Hochleistungsbatteriespeicher im niedersächsischen Sulingen arbeitet mit mehr als 1.500 Batteriezellen, die eine Leistung von 828 kW und eine Kapazität von über 1.300 kWh bereitstellen.
(Bild: KB.energy)

Der Musterspeicher ist eine Stand-alone-Anlage. Wo und von wem wird der KB.esave typischerweise eingesetzt?

Dirk Labudda: Der KB.esave ist für verschiedene Einsatzfelder konzipiert: als Stand-alone-Speicher, co-located zu Energieerzeugungsanlagen, zur Wertsteigerung von Gewerbeimmobilien und als Investitionsobjekt für Projektgesellschaften. Wirtschaftlich wird es ab einer Anschlussgröße von etwa 2,5 MW. Durch den modularen Aufbau lässt sich unser Hochleistungsbatteriespeicher allerdings beliebig erweitern. Wir bewegen uns aktuell in Projektgrößen zwischen 2,5 und 20 MW, auch größere Anlagen sind technisch problemlos möglich.

Sie haben erzählt, dass Interessenten den Speicher in Sulingen mehrmals in der Woche besichtigen. Können Sie sagen, was sie besonders interessiert?

Dirk Labudda: Das Interesse ist enorm, weil viele Akteure wie Projektentwickler, Landwirte, Industriebetriebe und Stadtwerke jetzt in Speichertechnologie investieren wollen. Auf der „ees Europe“ im Mai dieses Jahres hatten wir erfreulicherweise so viele Anfragen, dass wir uns entschieden haben, einen Demospeicher zu installieren. Uns ist wichtig, zu zeigen, wie Technik und Trading funktionieren, dass der KB.esave keine Black Box ist. Großspeicher sind heute schlüsselfertig und wirtschaftlich. 

Sie sprechen von einer schlüsselfertigen Lösung. Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Dirk Labudda: Für uns bedeutet es, dass wir unsere Kunden durch den gesamten Projektprozess begleiten. Der beginnt bei der Bedarfsanalyse, führt über die Netzanfrage und hört bei der Inbetriebnahme nicht auf. Auch die Wartung ist Teil unseres 360°-Services. Unsere Erfahrung der vergangenen drei Jahre hat gezeigt, dass Hürden oftmals weniger bei der Technik als bei der Finanzierung oder dem Netzausbau liegen. Daher haben wir unseren Full-Service-Ansatz entwickelt, auch mit der Unterstützung bei Finanzierungs- und Versicherungsoptionen.

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Wie geht es weiter? Welche Entwicklungen stehen als nächste an?

Dirk Labudda: Aktuell bauen wir eine neue Fertigungshalle, ebenfalls in Niedersachen und quasi bei uns nebenan. Die nächste Generation unseres KB.esave wird eine höhere Kapazität haben, die Kosten pro Kilowattstunde werden weiter sinken. Wir sehen Batteriespeicher als Schlüsseltechnologie der Energiewende und wollen mit unserem KB.esave zeigen, dass sie – richtig eingesetzt – eine optimale Rendite erzielen.

Vielen Dank, Herr Labudda, für das Gespräch.