Bundesverband GeothermieGeothermie: Elementarer Baustein der Wärmewende
Quelle: Pressemitteilung
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Das Patenzial der Geothermie ist groß, und das Interesse an ihrer Nutzung wächst spürbar. Das Geothermiebeschleunigungsgesetz, das derzeit im parlamentarischen Verfahren ist, sowie ein Instrument zur Absicherung der Fündigkeit bei tiefengeothermischen Bohrungen, werden den Ausbau zusätzlich antreiben. Der Beitrag vermittelt einen Überblick über den Status Quo und zeigt, welche Hürden noch zu nehmen sind.
Geothermische Technologien im Überblick.
(Bild: BVG, Susann Piesnack)
Geothermie kann zukünftig die wichtigste Säule für eine nachhaltige, sichere und bezahlbare Versorgung mit Wärme und Kühlenergie sein. Im Unterschied zu anderen Energieformen benötigt sie keine Brennstoffe, die aus fernen Ländern mit hohem Aufwand und hohen Unsicherheiten importiert werden müssen. Erdwärme ist überall verfügbar. In Verbindung mit ihrer hohen Effizienz können die Betriebskosten daher deutlich niedriger ausfallen als bei anderen Technologien. Eine höhere Preisstabilität ist ebenfalls zu erwarten.
Die Energiebereitstellung erfolgt unabhängig vom Wetter, der Tages- oder Jahreszeit, ist also grundlastfähig. Die eingesetzten Materialien sind überaus langlebig – bei Erdwärmesonden und -kollektoren bis zu 100 Jahre – und auch die geothermischen Ressourcen sind langfristig nutzbar. Aufgrund all dieser Effekte sind die volkswirtschaftlichen Kosten, über die gesamte Lebensdauer der Anlagen betrachtet, gering. Zudem übersteigt der volkswirtschaftliche Nutzen die volkswirtschaftlichen Kosten, unter anderem durch die Entlastung der Stromnetze sowie die Vermeidung von Klimaschäden und den Import von Brennstoffen.
Geothermie erfordert verlässliche politische Rahmenbedingungen
Geothermie hat ein immenses Potenzial. Allein mit den etablierten Technologien – den Thermalwasser nutzenden tiefengeothermischen Verfahren sowie den geschlossenen Systemen der Oberflächennahen Geothermie – könnte über die Hälfte des Wärme- und Kältebedarfs Deutschlands gedeckt werden. Mit innovativen Lösungen, die sich am Übergang von Erforschung zur Erprobung und Anwendung befinden, ließe sich der Wärmebedarf sogar vollständig decken.
Das Prinzip der oberflächennahen Geothermie.
(Bild: BVG, Susann Piesnack)
Die Umsetzung tiefengeothermischer Vorhaben erfolgt über mehrere Jahre. Die erforderlichen finanziellen Aufwendungen sind gerade in den ersten Projektphasen vergleichsweise hoch. Verlässliche politische Rahmenbedingungen sind daher von entscheidender Bedeutung, denn nur so erhalten Projektentwickler die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit. Die Ankündigung einer Rückabwicklung des als Heizungsgesetz bezeichneten Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sowie die mögliche Abkehr vom 65-%-Erneuerbare-Erfordernis würden sich kontraproduktiv auf die Umsetzung des Wärmewende und den erforderlichen Kapazitätsaufbau auswirken.
Der Ausstieg aus den fossilen Energien ist ohnehin überparteilich Konsens. Und es dürfte auch allen verantwortlichen Entscheidungsträgern klar sein, dass ebenso europarechtliche Vorgaben zu berücksichtigen sind und eine Abkehr von der Energiewende eher teurer als günstiger wird. Daher sollten sich alle politischen Akteure dazu bekennen, dass die EE-Transformation über die Legislatur hinaus konsequent verfolgt wird. Dazu gehört, dass Zuschüsse der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) dauerhaft auskömmlich und verlässlich zur Verfügung gestellt werden. Dass die BEW als zentrales Förderinstrument für Tiefengeothermie nun gesetzlich geregelt und aufgestockt wurde, ist daher zu begrüßen. Perspektivisch muss allerdings klargestellt werden, woher die erforderlichen Finanzmittel nach Auslaufen des Sondervermögens Infrastruktur Ende 2036 kommen sollen.
Instrument zur Absicherung der Fündigkeit
Bei der hydrothermalen Geothermie, nach wie vor das Zugpferd der Tiefen Geothermie, ist je nach Qualität der Datenlage eine Bohrung nicht immer fündig. Das sogenannte Fündigkeitsrisiko ist für das gesamte Energiesystem und die Wärmewende mit Geothermie beherrschbar. Für einzelne Kommunen oder Stadtwerke stellt es ein beträchtliches Problem dar, wenn eine Bohrung nicht fündig ist. Zum einen, weil die Auswahl eines möglichen Standorts in der Regel auf die Gemeinde begrenzt ist, zum anderen, weil das Risiko nicht über eine Vielzahl geplanter Projekte gestreut werden kann. Daher kommt der Einrichtung einer Fündigkeitsabsicherung entscheidende Bedeutung zu. Sie ist geeignet, die Risiken auf mehrere Schultern zu verteilen und so mehr Kommunen sowie Stadtwerke zu motivieren, in die Entwicklung von Geothermieprojekten einzusteigen. Nachdem die Mittel für die Jahre 2026 bis 2029 mit dem Bundeshaushalt 2025 beschlossen wurden, kann das neue Modell in Kürze starten.
Kenntnisse über den Untergrund ausbauen
Für die erfolgreiche Umsetzung geothermischer Projekte sind genaue Kenntnisse des Untergrunds von herausragender Bedeutung. An vielen Orten in Deutschland sind diese aber noch ungenügend. Ist die Fündigkeitsabsicherung ein Rettungsschirm für den Notfall, so bildet die Verbesserung der Datenlage die Voraussetzung dafür, dass ein Projekt überhaupt zum Fliegen kommt. Damit die Projektentwickler bereits zu Projektbeginn die Erfolgsaussichten besser einschätzen können, sollten seismische Messkampagnen flächendeckend durchgeführt werden. Zusätzlich sollten Bestandsdaten bereitgestellt und Daten veröffentlicht werden, die zu anderen Zwecken gesammelt wurden (zum Beispiel bei der Endlagersuche).
Stand: 16.12.2025
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In den Genehmigungsverfahren finden bereits eine Digitalisierung und teilweise eine bundesweite Vereinheitlichung im Rahmen des „Bergpasses“ statt. Diese Vorstöße sind begrüßenswert. Im Rahmen der Kooperation EfA Bergbau kooperieren gegenwärtig 14 Bundesländer und nutzen die Systeme Bergpass sowie das korrespondierende BIS (Fachverfahren und Datenbank), um Anträge auf Betriebsplangenehmigungen im Bereich Bergbau digital abzuwickeln.
Faire Preise auf dem Wärmemarkt
Geothermieanlagen benötigen für den Betrieb Strom. Steuern und Abgaben auf Strom sind in Deutschland vergleichsweise hoch. Fossile Energieträger wie Öl und Gas werden hingegen deutlich weniger belastet. Geothermieanlagen, die zunächst mit höheren Investitionen verbunden sind, sich in der langfristigen Betrachtung aber als rentabel erweisen, werden durch diese Schieflage im Ausbau gehemmt. Eine Reform der Belastung der Energiepreise ist daher geeignet, um die Geothermienutzung attraktiver zu machen. Zudem braucht es eine deutliche Anhebung der CO2-Abgabe, damit die Folgekosten fossiler Energieträger adäquat abgebildet werden. Parallel dazu braucht es faire, nachvollziehbare Regeln für die Fernwärmepreisgestaltung.
Die Lieferkette der mittel(tiefen) Geothermie.
(Bild: Bild: BVG, Susann Piesnack)
Die gegenwärtig gültige Fassung der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) ist nicht nur unzeitgemäß, sondern wirkt sich auch nachteilig auf die Attraktivität geothermischer Fernwärme aus. Durch das Heranziehen von Indexwerten, die ausschließlich auf Grundlage des fossilen Marktgeschehens ermittelt werden, wird das Versprechen von Resilienz und Preisstabilität der heimischen Energiequelle Geothermie ad absurdum geführt. Vor dem Hintergrund, dass bis 2025 eine Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Deutschland angestrebt wird und der Gesetzgeber damit den Wunsch nach steigender Akzeptanz Erneuerbarer Energien in der Bevölkerung verbindet, ist es geradezu paradox, dass Fernwärmepreise immer noch an die fortbestehenden fossilen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt gekoppelt werden.
Technologische Vielfalt der Geothermie nutzbar machen
Geothermie ist keine Einzeltechnologie, sondern eine Technologiefamilie, die praktisch überall Lösungen zur Energieversorgung anbieten kann – insbesondere zur Bereitstellung von Wärme und Kälte. Von der Versorgung einzelner Gebäude oder Quartiere mittels Oberflächennaher Geothermie bis zur Versorgung von Stadtteilen oder ganzer Städte durch die netzgebundene Tiefe Geothermie. Die bestehenden Anlagen sind seit vielen Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz. Um das vorhandene Erdwärmepotenzial voll auszuschöpfen, müssen innovative Verfahren jedoch konsequent weiterentwickelt werden. Die Intensivierung von Forschung, Erprobung und Skalierung der petrothermalen Geothermie (EGS) sowie weiterer Technologien ist geboten.
Geänderte Perspektive im Genehmigungsrecht
Aktuell stehen bundespolitisch insbesondere Beschleunigungen im Planungs- und Genehmigungsrecht im Fokus. Am 6. August 2025 hat die Bundesregierung den Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus von Geothermieanlagen, Wärmepumpen und Wärmespeichern (kurz: Geothermiebeschleunigungsgesetz, GeoBG) beschlossen, am 9. Oktober fand die erste Lesung im Bundestag statt und die weitere Debatte wurden an die Ausschüsse verwiesen. Auch der Bundesrat hat bereits Stellung genommen. Ein Beschluss bis Ende des Jahres ist daher realistisch.
Das GeoBG beinhaltet unter anderem die Festschreibung eines überragenden öffentlichen Interesses für Geothermievorhaben, naturschutzrechtliche Erleichterungen für die Durchführung von seismischen Messungen sowie verkürzte Fristen für Genehmigungsbehörden. Über die geplanten Änderungen im GeoBG hinaus besteht zusätzlicher Handlungsbedarf. Um Genehmigungen weiter zu beschleunigen und Projekte leichter umsetzbar zu machen, fordert der Bundesverband Geothermie ein Bündel flankierender Maßnahmen. Dazu zählen etwa eine baurechtliche Privilegierung im Außenbereich, die Befreiung oberflächennaher Geothermie von der Prüfung nach dem Standortauswahlgesetz sowie die Harmonisierung von Baurecht und Bergrecht.
Fazit und Ausblick
Der Ausbau der Geothermie hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Die Kombination aus schnellen Genehmigungen, besserer Planbarkeit und fairen Preisen wird der Geothermie auf lange Sicht weiter zum Durchbruch verhelfen. Kurzfristig entscheidend sind nun vor allem die Finanzierung einer Explorationskampagne, die Implementierung der Fündigkeitsabsicherung sowie der personelle Aufwuchs in den Genehmigungsbehörden, die bereits gute Arbeit leisten, aber weitere Unterstützung und Entlastung durch das Geothermiebeschleunigungsgesetz benötigen. Gelingt dies, kann Geothermie in wenigen Jahren von der Nischenanwendung zur tragenden Säule der kommunalen Wärmeversorgung werden.