Abwärme aus Rechenzentren Finnland setzt auf Digitalisierung und Kreisläufe im Energiesystem

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

Während Deutschland mit hohen Energiekosten ringt und intensiv über den Kurs der Energiewende debattiert, setzt Finnland auf ein integriertes Energiesystem, das keine Ressource verschwendet: Industrielle Abwärme wird konsequent genutzt, smarte Netze optimieren den Fluss und innovative Speicherlösungen gleichen Schwankungen aus. Dieser Ansatz senkt nicht nur die Energiekosten, sondern treibt auch die grüne Transformation voran. So sollen Googles Rechenzentrum in Hamina bald bis zu 80 % des lokalen Fernwärmebedarfs decken und Microsofts Projekte in Espoo die regionalen CO2-Emissionen um 400.000 t senken.

Googles Rechenzentrum in Hamina an der Ostseeküste soll ab Ende 2025 bis zu 80 % des lokalen Fernwärmebedarfs abdecken. (Google)
Googles Rechenzentrum in Hamina an der Ostseeküste soll ab Ende 2025 bis zu 80 % des lokalen Fernwärmebedarfs abdecken.
(Google)

Finnlands Strategie basiert auf einem Kreislaufmodell: Energie und Nebenprodukte aus einem Prozess werden zu wertvollen Inputs für einen anderen. „Abwärme ist kein energetischer Abfall, sondern eine wertvolle Ressource. Ihre konsequente Nutzung ist nicht nur ökologisch geboten, sondern ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit in der Energiewende“, betont Helmi-Nelli Körkkö, Senior Advisor bei Business Finland. Diese Konzentration auf die Effizienz führt zu greifbaren Ergebnissen: In den vergangenen vier Jahren ist es der verarbeitenden Industrie in Finnland gelungen, ihre Emissionen aus der eingekauften Energie um etwa 45 % zu senken und gleichzeitig die Produktion um 43 % zu steigern. Auch Verbraucher profitieren: Die Strompreise für Haushalte liegen in Finnland bei 4,6 C/kWh – in Deutschland kostet Strom 7,9 C/kWh.

In diesem ganzheitlichen Ansatz wird digitale Infrastruktur mit erneuerbaren Ressourcen und konsequenter Abwärmerückgewinnung zu einem geschlossenen System verbunden. Der Anteil der klimaneutralen Energie wächst in Finnland stetig: Zwischen 2023 und 2024 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien, der Wärmerückgewinnung und der Elektroheizkessel von 70 auf 73 %. Dabei ist zu beachten, dass der Anteil des erneuerbaren Stroms 56 % und des CO2-neutralen Stroms 95 % beträgt. Gleichzeitig überzeugt das System durch extreme Zuverlässigkeit: Das nationale Übertragungsnetz von Fingrid weist eine Verfügbarkeit von 99,9995 % auf.

Abwärme und Speicher als Technologietreiber im Energiesystem

Finnland macht Abwärme zur Ressource: Googles Rechenzentrum in der südostfinnischen Hafenstadt Hamina an der Ostseeküste deckt ab Ende 2025 bis zu 80 % des lokalen Fernwärmebedarfs. Microsoft kündigte in Kooperation mit dem Energieunternehmen Fortum an, die Abwärme neuer Rechenzentren nach der Fertigstellung zur Beheizung von Haushalten und Unternehmen zu nutzen. Auch die weltgrößte Anlage zur Wärmegewinnung aus gereinigtem Abwasser (die Wärmepumpenanlage Katri Vala des Energieunternehmens Helen) speist in Helsinki ins Netz ein. Innovative Speicher gleichen Schwankungen erneuerbarer Energien aus. Dazu zählen große Sandbatterien (Polar Night Energy), Europas größter saisonaler Kavernenwärmespeicher (Varanto-Speicher des Energieunternehmens Vantaan Energia) und Power-to-Heat-Lösungen (Elstor). Selbst Mobilfunk-Basisstationen werden zu virtuellen Kraftwerken gebündelt (Elisa), um das Netz zu stabilisieren.

Die Abwärme des Rechenzentrens wird zur Beheizung von Haushalten und Unternehmen genutzt.(Bild:  Google)
Die Abwärme des Rechenzentrens wird zur Beheizung von Haushalten und Unternehmen genutzt.
(Bild: Google)

Digitalisierung als Rückgrat

Basis für diese Effizienz ist eine robuste, hochentwickelte digitale Infrastruktur. Sie ermöglicht die Überwachung und Steuerung von Energieerzeugung, -verbrauch und -rückgewinnung in Echtzeit. „Der Schlüssel liegt in der intelligenten Verknüpfung von erneuerbaren Energien, Sektorenkopplung durch Abwärmenutzung und digitaler Steuerung“, verrät Körkkö. „Dieses integrierte System schafft Transparenz, maximiert die Effizienz und zeigt einen gangbaren Weg auf, wie Industriestaaten ihre Energieversorgung sicher, sauber und kosteneffizient gestalten können.“ KI-gestützte Prognosetools wie „VTT Energyteller“ optimieren zum Beispiel die Speicherung und Verteilung von Energie. Das VTT-Tool nutzt Wetterdaten und andere relevante Informationen, um Energiebedarf und Marktentwicklungen präziser vorherzusagen.

Ansatz für aktuelle Herausforderungen

Finnlands ganzheitlicher Ansatz bietet eine Blaupause für die Bewältigung aktueller Energieherausforderungen. Das Modell verspricht nicht nur Kostensenkungen und Versorgungssicherheit, sondern stellt auch einen replizierbaren Rahmen für die Modernisierung von Energiesystemen dar – ein wertvoller Impuls auch für die deutsche Energiewende. Während Finnlands Wettbewerbsfähigkeit steigt, ist es für das Land ebenso wichtig – vielleicht sogar noch wichtiger – die Abhängigkeit von einzelnen Staaten zu verringern. Ziel ist es, einen europäischen Ansatz zu entwickeln und Europas strategische Autonomie durch enge Partnerschaften mit gleichgesinnten Ländern zu stärken.

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