Biomasse-Heizkraftwerk: Bier brauen unabhängig von Erdgas
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Michael Hobohm
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G. Schneider & Sohn ist ein bayerischer Bierbrauer mit Sitz in München und einer Brauerei in Kelheim, der sich auf die Produktion von Weißbier – vertrieben unter der Marke „Schneider Weisse“ – spezialisiert hat. Gebraut wird nachhaltig mit Hackschnitzeln aus der Region, zugleich wird ein energieeffizientes Heizkraftwerk genutzt.
(Quelle: G. Schneider & Sohn)
Viele Brauereien sind auf Gas angewiesen, um ihre Produktionsprozesse mit Wärme zu versorgen. Eine staatliche Rationierung, die anhaltende Reduktion oder gar ein Stopp der Gaslieferungen hätten dramatische Folgen. Zum einen würde das Bierbrauen bei bleibend hohen Energiepreisen unrentabel, zum anderen könnten die avisierten Braumengen nicht sichergestellt werden. Während die meisten Brauereien aktuell nach Alternativen und kurzfristigen Lösungen suchen, hat die Private Weissbierbrauerei Schneider Weiße G. Schneider & Sohn bereits vor 15 Jahren einen anderen Weg eingeschlagen: Für die zukunftssichere Versorgung leistete sich der Bierhersteller eine neue Energiezentrale mit Biomasse-Heizkraftwerk. Als Energieträger dienen seither naturbelassene Hackschnitzel aus der Region. Umgesetzt wurde das nachhaltige Energiekonzept von Gammel Engineering aus Abensberg. Die Energieanlage deckt den Wärmebedarf für die Füllerei, das Sudhaus und die Gebäudeheizung sowie die Gaststätte ab. Die damalige Entscheidung macht sich gerade jetzt bezahlt, da die Brauerei nicht von fossilen Brennstoffen abhängig ist.
(Das Kernprodukt ist „TAP 7 Original“, vormals „Schneider Weisse Original“, das nach dem Ursprungsrezept von 1872 gebraut wird. Seither hat das Unternehmen das Sortiment stetig erweitert. Quelle: G. Schneider & Sohn)
Vorreiter in der Branche
Noch bis 2007 hatte die Brauerei Schneider ihre benötigte Wärme aus Öl gewonnen – einer endlichen und preisvariablen Ressource. Um sich von dieser unsicheren Versorgung zu lösen, suchte die Geschäftsführung nach einer Alternative. „Die einfachere und deutlich bequemere Methode wäre die technisch weniger aufwendige Umstellung auf Gas gewesen“, erinnert sich Braumeister Josef Lechner. „Doch damit hätten wir uns wieder stärker abhängig gemacht.“ Mit dem Umstieg auf eine nachhaltige Ressource wie Hackschnitzel war Schneider Weisse der Vorreiter in der Branche: Ein vergleichbares Vorgehen war dort bisher nicht üblich.
Obwohl der Gaspreis zur damaligen Zeit sehr niedrig war, was zu einer schnellen, günstigen Standardlösung geführt hätte, standen für Georg Schneider und sein Team nicht allein der Energiepreis im Vordergrund: „Wir haben uns bewusst für Nachhaltigkeit und die langfristigen Vorteile, die sie mit sich bringt, entschieden. Wir sind überzeugt von dieser Philosophie“, sagt der Brauereichef heute. Langfristig sollte der Schritt die Brauerei auf einen klimaneutralen Weg bringen. Im Gegensatz zu Gas, Öl und Kohle, die neben der schlechten Klimabilanz auch aufwendig ans Ziel transportiert werden müssen, werden die Hackschnitzel von Waldbauern aus der Nähe von Kelheim produziert. „Wir lassen die Wertschöpfung in der Region. Der soziale Aspekt ist uns sehr wichtig“, hebt Lechner hervor.
(Schon vor 15 Jahren hat die Weissbierbrauerei Schneider einen eigenen Weg eingeschlagen: Für die zukunftssichere Versorgung leistete sich der Bierhersteller eine neue Energiezentrale mit Biomasseheizwerk. Quelle: Gammel Engineering)
Neue Energiezentrale und Biomasse-Heizkraftwerk
Die Abensberger Ingenieure von Gammel Engineering, die ein umfassendes Know-how für nachhaltige Energiekonzepte vorweisen können, berieten die Brauerei während der gesamten Planungs- und Umsetzungsphase. Herzstück des Konzeptes ist eine moderne Energiezentrale sowie ein Heizkraftwerk zur Verarbeitung der Hackschnitzel. Durch die kontrollierte Verbrennung entsteht Prozesswärme, die als Heißwasser mit 160 °C über ein spezielles Leitungssystem zu den verschiedenen Prozessstationen auf dem Brauergelände geführt wird. „Durch unser Holzheizsystem konnten wir circa 720.000 l Heizöl pro Jahr ersetzen, was einer Einsparung von 2.000 t CO2 entspricht. Stattdessen werden im selben Zeitraum etwa 2.600 t Hackschnitzel aus der Region verwertet“, so Dieter Lichtenberger, Prokurist bei Gammel Engineering.
Gammel Engineering ist mit der Betreuung und Umsetzung von Projekten dieser Größenordnung bestens vertraut. So gehörten neben der Auslegung und Installation des Kraftwerks auch der Anschluss der Kälteerzeugung und CIP-Anlagen an die Energiezentrale zu den Aufgaben der Ingenieure. Das Team legte dabei großen Wert auf die Verwendung moderner Werkstoffe und Technik sowie auf eine wartungsfreundliche Umsetzung. Seither kann die Brauerei ihre gesamten Betriebsprozesse – einschließlich Abfüllung, Sudhaus sowie Gebäude- und Gaststättenheizung – zu fast 95 % mit Wärme aus dem nachwachsenden Rohstoff Waldholz versorgen.
Nachhaltigen Weg einschlagen
Die Umsetzung des Projektes, das für die Technik ein Investitionsvolumen von etwa 1,3 Millionen Euro umfasste, dauerte von Mai 2007 bis März 2008. Die Anlage konnte sich durch die energieeffiziente Versorgung und Einsparung preisinstabiler Ressourcen schnell amortisieren. Zudem erzielte die Brauerei Schneider auch strategische Vorteile: „Wir sind dem globalen Energiemarkt so gut wie nicht mehr unterworfen. Und das nicht nur, wenn man an die aktuellen Gas- und Ölpreise denkt. Vor allem auch sind wir nicht von Gaslieferungen abhängig“, argumentiert Brauereichef Georg IV. Schneider. Der Geschäftsführer denkt an einen Gasengpass, durch den vielen seiner meist mittelständisch aufgestellten Mitbewerber ein Produktionsausfall drohen würde. Ein Energiekonzept, wie es Gammel Engineering in Kelheim umgesetzt hat, könnte daher anderen Brauereien und Getränkeherstellern ein Vorbild sein. Zumal durch die Energieversorgung auf der Basis regenerativer Konzepte die Wertschöpfung in der Region bleibt.
Stand: 16.12.2025
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„Wir würden auch heute wieder auf Hackschnitzelheizung umstellen. Jetzt zeigt sich, dass die Entscheidung richtig war“, so Schneider. Michael Gammel, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurunternehmens, empfiehlt daher auch anderen Brauereien, den Weg in die nachhaltige Bierherstellung einzuschlagen und unabhängig von globalen Energiepreisspiralen zu werden.