Föhren in Rheinland-PfalzBatteriespeicherpark: netzbildend, netzstützend, schwarzstartfähig
Quelle: Pressemitteilung
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EinBatteriespeicherpark im rheinland-pfälzischen Föhren zeigt, was Containern beherbergen können: einen der ersten netzbildenden Großspeicher im europäischen Verteilnetz. Errichtet von Schoenergie, soll der Batteriespeicherpark belegen, wie er netzbildend, netzstützend und schwarzstartfähig agieren kann.
Blick auf den Batteriespeicherpark in Föhren während der offiziellen Einweihung Mitte Oktober 2025.
(Bild: Schoenergie/Jennifer Weyland)
Die Szene wirkt unspektakulär: Weiße Container stehen aufgereiht auf einer eingezäunten Fläche nahe dem Umspannwerk Föhren bei Trier. Kein Dampf steigt auf, keine Turbinen drehen sich, kein Rauch zieht über das Land. Und doch verändert das, was hier steht, die Energieversorgung grundlegend. Denn der Batteriespeicherpark des Energiedienstleisters Schoenergie kann mehr als nur Strom zwischenspeichern. Er kann künftig Aufgaben übernehmen, die heute noch fossile Großkraftwerke erfüllen.
"Moderne Batteriesysteme müssen mehr können als nur Strom speichern", betont Volker Schöller, Geschäftsführer CTO bei Schoenergie. "Sie müssen netzbildend, netzstützend und schwarzstartfähig sein."
Die unsichtbare Stütze verschwindet
Seit Jahrzehnten haben rotierende Turbinen in Großkraftwerken eine Aufgabe übernommen, die den meisten Menschen nicht bewusst ist: Sie hielten das Stromnetz stabil. Bis heute wirken ihre trägen Massen ein Schwungrad. Wird plötzlich mehr Strom verbraucht oder fällt ein Kraftwerk aus, geben sie für Sekundenbruchteile Energie ab und verhindern so einen Frequenzeinbruch. Diese sogenannte Momentanreserve ist das unsichtbare Rückgrat der Versorgungssicherheit.
Heute sieht die Welt anders aus. 2024 stammten 59 % des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen. Bis 2030 sollen es 80 % sein. Wind und Sonne liefern Strom anders als die alten Kraftwerke nicht kontinuierlich, sondern abhängig von Wind und Wetter. Dieser volatile Strom wird nicht ins Höchstspannungsnetz eingespeist, sondern dezentral in die Verteilnetze. "Die Erzeugung ist heute dort, wo früher nur Verbraucher waren", sagt Schöller. "Aber die stabilisierenden Funktionen sind noch immer bei den alten Kraftwerken in der Höchstspannung geblieben. Wir müssen daher alle Funktionen der alten Kraftwerke in die neuen Strukturen überführen." Der Batteriespeicherpark in Föhren soll zeigen, dass das gelingen kann.
Mehr als Netzstabilität: Ein Instrument der Versorgungssicherheit
Mit 21 MW Leistung und 55 MWh Kapazität ist die Anlage einer der ersten netzbildenden Großspeicher im europäischen Verteilnetz. Sie steht direkt neben einem Umspannwerk und teilt sich den Netzanschluss mit einem 20-MW-Solarpark. Tagsüber kann überschüssiger Solarstrom direkt in den Speicher fließen, ohne das Netz zu belasten. Nachts oder bei Bedarfsspitzen liefert der Speicher die Energie zurück.
Die Container bilden einen der ersten netzbildenden Großbatteriespeicher im europäischen Verteilnetz.
(Bild: Schoenergie/Jennifer Weyland)
Das Besondere steckt jedoch in der intelligenten Steuerung: In Millisekunden kann der Speicher seine Leistung auf 42 MW verdoppeln. Das ist die Momentanreserve, die das Netz stabilisiert, wenn plötzlich Kraftwerke ausfallen. Mehr noch: Der Speicher läuft auch dann weiter, wenn das übergeordnete Netz zusammenbricht. Er könnte ein lokales Inselnetz aufbauen und Schritt für Schritt Haushalte und Unternehmen wieder mit Strom versorgen. Anschließend würden die erneuerbaren Erzeugungsanlagen in der Region wieder anlaufen und den Speicher nachladen. Diese Schwarzstartfähigkeit ist längst keine technische Spielerei mehr. Sie ist zu einer Frage der inneren Sicherheit geworden. Der Anschlag auf die Berliner Stromversorgung und die systematischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben gezeigt, wie verwundbar zentralisierte Netze sind. Wer kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser, Rechenzentren oder Wasserwerke schützen will, muss sie energieautark machen können.
Dezentrale, schwarzstartfähige Batteriespeicher schaffen genau diese Resilienz. Anders als Dieselgeneratoren, die auf Treibstoffnachschub angewiesen sind, können sie sich aus lokalen erneuerbaren Quellen versorgen. Wären viele Umspannwerke mit solchen Speichern ausgestattet, könnte ein großflächiger Stromausfall deutlich schneller behoben werden. Statt Wochen würde es Stunden dauern. Zudem könnte der notwendige Netzausbau, heute eine der größten Hürden auf dem Weg zu 100 % erneuerbaren Energien, reduziert werden.
Batteriespeicherpark erfüllt Forschungsaufgabe
Im Oktober 2025 wurde der Batteriespeicherpark offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen. Seither läuft er kommerziell am Energiemarkt und erfüllt zugleich eine wichtige Forschungsaufgabe: Im Projekt "Surevive", das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, testen die Partner die netzbildenden Funktionen, die nach erfolgreichen Labor- und Computersimulationen im realen Netzbetrieb angewendet werden. Bis 2028 sollen die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet und öffentlich dokumentiert vorliegen. Sie sollen Netzbetreibern, Projektierern und Produktentwicklern als Grundlage für künftige Projekte dienen. Neben Schoenergie sind der Netzbetreiber Westnetz als Konsortialführer, die Universität Stuttgart und das Fraunhofer ISE am Projekt beteiligt. Die netzbildenden Wechselrichter stammen von SMA.
Sicherheit hat Priorität
Für die Anwohner in Föhren war vor allem eine Frage wichtig: Wie sicher ist so ein Batteriespeicher? Berichte über Brände bei kleineren Heimspeichern hatten die Aufmerksamkeit geschärft. Schoenergie nahm die Bedenken ernst. Schon in der Planungsphase wurden Behörden, Feuerwehr und Fachgutachter eingebunden. Das Ergebnis ist ein mehrstufiges Sicherheitskonzept: Jede einzelne Batteriezelle wird kontinuierlich auf Temperatur und Spannung überwacht. Kühlsysteme verhindern Überhitzung. Sensoren erkennen frühzeitig Gasentwicklungen. Eine Aerosol-Löschanlage erstickt Rauchentwicklung, und eine zusätzliche Sprinkleranlage kühlt die benachbarten Container, was eine potenzielle Brandausbreitung verhindert. Im Ernstfall fängt ein speziell ausgelegtes Becken das Löschwasser auf und verhindert, dass es ins Grundwasser gelangt. Auch bei der Auswahl der Technik wurde große Sorgfalt angewendet.
Stand: 16.12.2025
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Aufgereihte netzbildende Wechselrichter ergänzen die Batteriecontainer und verlagern Kraftwerksfunktionen ins Verteilnetz.
(Bild: Schoenergie/Jennifer Weyland)
Die Produktion der Batteriecontainer wurden vor Ort in China persönlich auditiert, um sich ein genaues Bild von Qualität und Sicherheitsstandards zu machen. Jeder einzelne Container durchlief umfangreiche Prüfungen, darunter Isolations-, Kapazitäts- und Spritzwassertests. Nur Container, die sämtliche Anforderungen erfüllten, wurden schließlich für den Transport freigegeben.
Die Zukunft ist dezentral
Die Vision von CTO Schöller reicht weit über Föhren hinaus. Er sieht ein Energiesystem, in dem nicht wenige gigantische Speicher an Übertragungsnetzen stehen, sondern viele mittlere Anlagen dort, wo sie gebraucht werden – nahe an Umspannwerken, in der Nähe von Erzeugung und Verbrauch. "Wir haben die Erzeugung in die unteren Netze verschoben, daher müssen wir auch die Regelung dorthin verschieben", argumentiert er. Erste Schritte in diese Richtung sind gemacht.
Ab 2026 wird es in Deutschland einen Markt für Momentanreserve geben. In Großbritannien, wo solche Märkte bereits existieren, sind mit einer 100-MW-Anlage Erlöse von bis zu 2,45 Millionen €/a möglich. "Netzbildende Speicher haben etwa 15 % höhere Gestehungskosten", berichtet Schöller. "Gibt es aber entsprechende Märkte, lohnt sich das wirtschaftlich."
Was im großen Maßstab in Föhren entsteht, lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. Schoenergie entwickelt schwarzstartfähige Batteriespeicher mittlerweile auch für Industriebetriebe, bei denen Stromausfälle teuer werden können. Bei Kühlhäusern etwa können Unterbrechungen in kurzer Zeit Verluste von über 100.000 € verursachen. Ein schwarzstartfähiger Speicher kann in solchen Fällen die Versorgung kritischer Prozesse sichern, unabhängig vom öffentlichen Netz. Die Anlage fährt eigenständig hoch, stabilisiert die betriebsinternen Netze und ermöglicht den Weiterbetrieb, bis die reguläre Versorgung wiederhergestellt ist.
Was jetzt passieren muss
Die Technik ist da. Die ersten Projekte laufen. Jetzt kommt es auf die richtigen Rahmenbedingungen an. "Erneuerbare Energien sind heute die günstigste Form der Stromerzeugung", betont der Geschäftsführer. "Die neue Bundesregierung muss Erneuerbare als systemrelevant anerkennen und vollständig ins Netz integrieren." Vor allem wünscht er sich Kontinuität: "Bisher gibt es alle paar Jahre eine andere politische Ausrichtung. Das mindert die Verlässlichkeit erheblich." Das Zieldreieck der Energiewirtschaft aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit sollte wieder als Ganzes betrachtet werden. Ziehen alle Akteure an einem Strang, ist die Energiewende nicht nur machbar, sondern wird zur Stärke des Standorts Deutschland.